Einer der aktuell wichtigsten Trends im E-Commerce ist die Individualisierung von Websites. Ein erfolgreicher Online-Shop muss den Nutzer heute möglichst adäquat ansprechen und ihn individuell und intuitiv durch das Angebot führen. Eine Möglichkeit, dies zu erreichen, ist mit Sicherheit die Personalisierung. Es gibt jedoch auch einen weniger komplexen und dennoch erfolgsversprechenden Ansatz: die interaktive Filtersuche. Mit der interaktiven Filtersuche können Shop-Betreiber Einstiege in ihr Web-Angebot schaffen, die zur jeweiligen Nutzungssituation des Besuchers passen. Dieser Fachbeitrag zeigt, wie die interaktive Filtersuche im Bekleidungssektor funktioniert und welche Vorteile und Herausforderungen sie mit sich bringt.

Nach wie vor werden Filter häufig nur verwendet, um Suchergebnisse auf späteren Ebenen einzugrenzen. Filter eignen sich jedoch auch hervorragend als individueller, schneller und intuitiver Einstieg in ein Web-Angebot. In diesem Fall spricht man von einer Filtersuche. Generell wird bei der Filtersuche zwischen Filtern auf der einen und Attributen auf der anderen Seite unterschieden. Bei einem T-Shirt-Online-Shop können mögliche Filter beispielsweise Farbe, Größe und Ausschnittform sein. Entsprechende Attribute für den Filter Ausschnittform wären dann Kragen, Rund- oder V-Ausschnitt und Attribute für den Filter Farbe sind hellblau, gelb, pink usw. Bei der interaktiven Variante mit Mehrfachauswahl gibt es drei unterschiedliche Attributs-Zustände: ausgewählt, auswählbar und nicht auswählbar. Bei der Filtersuche unterscheidet man zwei grundlegende Spalten: Die Filter-Spalte und die Ergebnis-Spalte. In der Filter-Spalte befinden sich alle auswählbaren Attribute. Diese Attribute sind wiederum sinnvoll zu einzelnen Filtern gruppiert. In der Ergebnis-Spalte werden die passenden Ergebnisse angezeigt. Mit jedem geklickten Attribut verändert sich die Ergebnis-Anzeige entsprechend.

Funktionen der Filtersuche

1. Grundzustand

Im Grundzustand einer Filtersuche sind noch keine Attribute gewählt, das heißt alle Attribute befinden sich im Zustand auswählbar. Was die Ergebnisliste angeht, gibt es in diesem Zustand zwei mögliche Varianten: Entweder werden alle Ergebnisse angezeigt und über eine Blätterfunktion zugänglich gemacht, oder es werden dem Besucher noch gar keine Ergebnisse präsentiert.

2. Initiales Filtern

Beim initialen Filtern kann der Nutzer frei entscheiden, über welchen Filter er in das Angebot einsteigen möchte. Sobald er ein Attribut auswählt, werden alle passenden Ergebnisse angezeigt. Entscheidet sich der Besucher beispielsweise für das Attribut gelb im Filter Farbe, werden alle gelben T-Shirts angezeigt. Neben dem Anzeigen der passenden Ergebnisse prüft das System den Datenbestand auf die weitere Filterbarkeit. Attribute, die jetzt kein Ergebnis mehr erzeugen, werden entsprechend inaktiv geschaltet. Gibt es zum Beispiel keine gelben T-Shirts mit V-Ausschnitt, wird in diesem Fall das Attribut V-Ausschnitt ausgegraut und ist nicht mehr klickbar.

3. Erweiterung der Ergebnisse

Wenn der Nutzer die Ergebnisse erweitern möchte, kann er innerhalb eines Filters eine Mehrfachauswahl tätigen. Bei jedem weiteren gewählten Attribut werden die entsprechend aktualisierte Ergebnisliste und die aktualisierten Attributs-Zustände in den anderen Filtern angezeigt. Klickt der User beispielsweise im Filter Farbe zusätzlich auf das Attribut hellblau, erscheinen in der Ergebnisliste jetzt neben den gelben auch alle hellblauen T-Shirts. Das Attribut V-Ausschnitt ist dann gegebenenfalls wieder klickbar.

4. Weiteres Einschränken der Ergebnisse

Möchte der Nutzer die Suche dagegen verfeinern, also weniger, dafür aber präzisere Suchergebnisse angezeigt bekommen, klickt er auf ein auswählbares Attribut in einem anderen Filter. Die Ergebnisse werden dann entsprechend reduziert. Wählt er beispielsweise zusätzlich das Attribut „Größe L“ aus, werden jetzt nur gelbe und hellblaue T-Shirts in der Größe L angezeigt.

Vorteile der interaktiven Filtersuche

Ein großer Vorteil der interaktiven Filtersuche ist der individuelle Einstieg. Denn über die Filtersuche werden die unterschiedlichen Kriterien eben nicht wie bei der klassischen Navigationsstruktur vom Online-Händler selbst priorisiert. Ein Shop-Betreiber kann seinen Nutzern vielmehr multiple, gleichberechtigte Zugangsmöglichkeiten anbieten, die jedem Nutzer den für ihn aktuell passenden Einstieg ermöglichen. Gerade wenn Nutzer sehr unterschiedliche Präferenzen haben, was den Einstieg zu den Produkten angeht, bieten sich interaktive Filtersuchen an.

Darüber hinaus haben gerade Betreiber mittelgroßer bis sehr großer Bekleidungs-Shops mit einem umfangreichen Angebot bei einer klassischen Navigationsstruktur oft nur die Wahl zwischen vielen Navigationsebenen oder sehr vielen einzelnen Einträgen pro Kategorie. Beides ist nicht ideal. Die Kombination aus klassischer, schlanker Baumstruktur und einer intuitiven Filtersuche ab der zweiten oder dritten Navigationsebene hat sich dagegen sehr bewährt und macht den Shop äußerst übersichtlich. Generell gilt: Ist das Angebot sehr umfangreich, ist die intelligente Filtersuche das ideale Mittel, um endloses Blättern und besonders tiefe Navigationsstrukturen zu verhindern.

Da jeder Klick sehr schnell und intuitiv zu einer individuell zum jeweiligen Nutzer passenden Ergebnisliste führt, verkürzen sich auch die Produktübersichtsseiten. Die Gefahr, dass sich der Nutzer in der Informationsflut verliert und den Shop nach endlosem Suchen orientierungslos und genervt wieder verlässt, wird dadurch minimiert. Da nicht mögliche Filterkombinationen erst gar nicht wählbar sind, kann es bei der Filtersuche auch nicht zu Null-Ergebnissen kommen, was sich ebenfalls sehr positiv auf das Nutzungserlebnis der Website auswirkt. Denn ist es für den Nutzer zu mühsam, zu einem seinen Vorstellungen entsprechenden Ergebnis zu gelangen, wird er die Website verlassen und auf einer anderen Präsenz sein Glück versuchen.

Grundbedingungen und Herausforderungen der Filtersuche

Um die Vorteile einer interaktiven Filtersuche komplett auszuschöpfen, müssen Betreiber einige Grundbedingungen erfüllen. Basis für eine mehrwertbringende Filtersuche ist immer eine individuelle Konzeption. Die einzelnen Attribute und Filter müssen so definiert werden, dass es Nutzern auch wirklich leicht gemacht wird, individuell und intuitiv in ein Angebot einzusteigen. Auch die Navigationsebene, ab der ausschließlich gefiltert wird, sollte abhängig vom Inhalt bestimmt werden. Da die unterschiedlichen Filterfunktionalitäten inzwischen als gelernt zu betrachten sind, wird es bei durchdachter Platzierung und Gestaltung der Filtersuche nicht zu Nutzungsschwierigkeiten kommen. A
us Usability-Sicht empfiehlt sich eine Anordnung der Filter links von den Ergebnissen, damit die Nutzer die sich verändernden Ergebnisse immer direkt im Blickfeld haben.

Eine weitere wichtige Grundlage für jede Filtersuche ist eine logische und konsequente Verschlagwortung der Produktdaten. Oft kann eine vorhandene Verschlagwortung überarbeitet und erweitert werden. Ist keine vorhanden, muss sie aufgebaut werden. Wichtig ist dann der weitere Betrieb und die Pflege der Daten. Sind zum Beispiel blaue Produkte in der Datenbank nicht mit dem Attribut blau versehen, werden diese bei entsprechender Filterung auch nicht angezeigt. Für die Verschlagwortung der Daten sollte man genügend Zeit einplanen, da sie äußerst wichtig und gleichzeitig relativ aufwändig ist. Generell ist es keine banale Aufgabe, eine gut funktionierende Filtersuche zu programmieren. Zudem handelt es sich um ein performance-sensibles Thema. Ist das Produktangebot besonders groß und ist die Anzahl der unterschiedlichen Filter sehr hoch, muss ein starker Fokus auf die Performance gelegt werden. Im Endeffekt funktioniert der Filter nur dann wirklich gut und wird nur dann angenommen, wenn die Ergebnis-Anzeige keine gefühlte Ewigkeit benötigt.

Eine intelligente Filtersuche hilft besonders den Shop-Betreibern, die über ein umfangreiches Angebot verfügen. Denn darüber lässt sich ein individualisierter, schneller und intuitiver Zugang zu relevanten Inhalten schaffen. Wichtige Voraussetzungen sind dabei eine individuelle Konzeption, eine konsequente Verschlagwortung sowie eine gute Performance. Werden diese Voraussetzungen erfüllt, ist die Filtersuche ein hilfreiches Element auf dem Weg zur individualisierten Website.

 

Praxisbeispiel

Ein Vorreiter auf dem Gebiet der Filtersuche ist Zalando. Das Unternehmen hat in seiner Bekleidungssparte (www.zalando.de/bekleidung) die Filtersuche sehr konsequent umgesetzt.

Der Filter ist von Anfang an sichtbar. Ihren individuellen Bedürfnissen und Zielen entsprechend können die Besucher unter anderem über Kategorien, Marken, Farben, Preise oder Obermaterial in das Angebot einsteigen und es in der Folge intuitiv einschränken.

ist Creative Director und Managing Partner bei der Internetagentur netz98 new media GmbH (netz98.de, twitter.com/netz98, netz98-Blog). Bei netz98 leitet Schneider die Kreation und ist zudem in der Beratung und im Bereich Marketing und Sales tätig. Bevor der ausgewiesene Social Media- und Usability-Experte Anfang 2007 zu netz98 stieß, arbeitete er 6 Jahre lang bei der BBDO InterOne GmbH als Screendesigner.

  • http://www.zinitsolutions.com Zinit Solutions

    Ein toller praxisnaher Artikel mit aussagekräftigen Beispielen. Im Kaufentscheidungsprozess spielt es eine große Rolle, dass sich der Konsument wegen Informationsflut nicht überfordert fühlt und frustrierend den Webshop nicht verlässt. Die Qual der Wahl wird dank interaktiver Filtersuche vermieden und es besteht, meiner Meinung nach, größere Wahrscheinlichkeit, dass das Produkt gekauft wird.

  • http://www.neofelis.de Alexander Sibert

    Super Beitrag, werde mir auch mal schöne Ideen in Punkto Filter für mein neues Magento Projekt einfallen lassen. Auf jedenfall werde diese per CSS/JavaScript ausklappbar horizontal sein :P

  • http://www.smartgirl.de/kleider Kleider

    Vielen Dank für den wunderbaren Beitrag! Ich auf jeden Fall genossen es zu lesen.

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