Der Online-Handel hat 2009 rund die Hälfte des deutschen Versandhandels-Umsatzes ausgemacht. 2010 wird sich dieser Anteil weiter vergrößern. Dieser Zuwachs kommt nicht allein durch den Wechsel der Recherche- und Bestellgewohnheiten der Käufer, die –einmal erlernt– Zeit bei der Suche und Geld beim Einkauf sparen. Potentielle Käufer können im Web dort „abgeholt“ werden, wo sie sich aktuell „bewegen“. Auch das hat großen Anteil an der Steigerung der Online-Quote.

Doch wo sind die Nutzer im Web unterwegs? Facebook hatte Ende 2009 mit täglich rund 4 Millionen deutschen Nutzern einheimische Social Networks wie Wer-kennt-wen und studiVZ hinter sich gelassen. Damit ist Facebook in Deutschland an Amazon vorbeigezogen und drauf und dran, eBay einzuholen. Noch mehr tägliche Nutzer haben in Deutschland nur Google und YouTube. Die Micro-Blogging-Community Twitter hatte Ende 2009 fast 400.000 tägliche Benutzer in Deutschland.

Auch Blogs sind Social Media

Blogs erreichen in Deutschland zwar nicht die Besucherzahlen einiger weniger Social Networks oder Twitter. Aber auch unter ihnen gibt es wahre Besuchermagneten. So haben im Moment 92 von 8.000 Blogs im Blogverzeichnis Blogoscoop.net mehr als 100.000 Seitenaufrufe pro Monat. Spitzenblogs wie das Schnäppchen- und Preisvergleichsblog myDealz.de registrieren sogar 6.000.000 Seitenaufrufe im Monat.

Vergleicht man diese nackten Besucherzahlen und Seitenaufrufe, könnte man meinen, dass ein Engagement in Social Networks für Online-Händler weit lohnender sei, als die Nutzung von Twitter oder gar eines eigenen Blogs. Rechnen wir also einmal nach.

Social Networks bringen Besucher wie von selbst: Ein verbreiteter Irrtum

Facebook hat zur Zeit rund 1,4 Milliarden (1.400.000.000) Seiten allein im Google-Index stehen. Selbst wenn die 4 Millionen deutschen Besucher bei jedem Besuch 10 Seiten ansehen würden, benötigten alle gemeinsam 35 volle Tage, damit eine bestimmte einzelne Seite einmal gesehen wird. Stellen Sie sich vor, dass Sie mit viel Fleiß 1.000 unterschiedliche Seiten (z.B. Gruppenbeiträge, Fanpages) in Facebook angelegt und mit interessantem Inhalt gefüllt hätten. Jede Ihrer Seiten ist eine der sprichwörtlichen Nadeln im Heuhaufen, die durchschnittlich einmal im Monat gefunden wird. Sie kommen also gerade einmal auf 1.000 Page Impressions im Monat.
Haben Sie dagegen ein Blog mit 1.000 guten Blogbeiträgen gefüllt, die das Angebot Ihres Online-Shops im weiteren Sinne behandeln und beschreiben, so erreichen Sie 1.000 Page Impressions nicht in einem Monat, sondern in der Regel täglich oder innerhalb weniger Stunden.

Der Unterschied zwischen Untermiete und digitalem Eigentum

Das Blog ist nicht wie ein Social Network Account auf einer fremden Plattform angelegt, sondern Teil Ihres eigenen Webspace auf Ihrer eigenen Domain. Alle Aufwendungen, die Sie für Ihr Blog leisten, kommen direkt Ihnen und Ihrem eigenen Shop zugute. Wenn Sie das Blog in einem Unterverzeichnis –nicht auf einer Subdomain– Ihrer Homepage anlegen, profitiert Ihre komplette Website und Ihr Shop direkt von der Linkpopularität und den Backlinks, die Sie mit dem Blog erarbeiten.

Blogs, richtig erstellt, sind das Herz Ihrer Social-Media-Aktivitäten und Ihrer Webstrategie. Sie sind nicht an eine Plattform gefesselt, die Fremden gehört. Selbst wenn der Social-Media-Hype die nächste Plattform nach oben spült, bleiben die Investitionen in Ihr eigenes Blog geschützt. Sie nutzen Ihr Blog, um Ihren Kunden, Interessenten und den Suchmaschinen detaillierte Informationen zu Ihren Produkten, Geschichten zu Anwendungsfällen, Hintergrundwissen und Bewertungen anzubieten. Twitter und Facebook verwenden Sie vor allem, um auf Ihr Blog zu verlinken und dadurch qualifizierte Besucher in Ihren Online-Shop zu führen.

ist Deutschlands wohl bekanntester Social-Media-Trainer. Er trainiert Online-Redaktionen und Online-Marketing-Profis im Business Blogging. Seine Themenschwerpunkte sind Corporate Blogs, WordPress, Social Media Trainings und Small Business Blogging.

  • http://twitter.com/TinaBuhr Tina Buhr

    Wahre Worte!
    Passend zum Thema möchte ich ein spreed Webinar empfehlen: Twitter – Kür oder Pflicht der Unternehmenskommunikation? von Steffen Jung am Do. 28.01.10 um 16:30. Anmeldung unter: http://tr.im/K9ro

  • http://www.woonio.de Roland

    Die Strategie kann ich aus eigener Erfahrung nur bestätigen. Wir hatten auch einen WOONIO Blog bevor der eigentliche Shop gestartet ist. Der Blog war von Google prima indexiert und gut besucht – und das bevor das eigentliche Angebot gestartet ist.

    Am neuen Blog müssen wir noch arbeiten – solche Worte treiben aber nochmal an :)

  • http://sommer-in-hamburg.de Mark vom Sommer aus Hamburg

    Sehr schön.
    Also meine „Social Media Website“ bzw. Sommer in Hamburg steht zur Umfassenden Vermarktung bereit.

  • http://helloingo.com Ingo Schnall

    Aber ist es nicht so, dass man via Facebook ein völlig andere Zielgruppe erreicht, als mit einem eigenen Blog?

    Einen Blog besuchen v.a. die Kunden, die einen bereits kennen. Bei Facebook erreiche ich auch die, die mein Unternehmen noch nicht kennen – nämlich die Freunde meiner „Facebook-Fans“.

    Auf beiden Plattformen können Kunden mit mir – als Unternehmen – kommunizieren. Bei einem Blog gebe aber meist ich das Thema vor – bei Facebook können meine Kunden selbst aktiv werden und nicht nur auf einen Blogbeitrag reagieren.

    Und: ein Blog zu betreiben bedeutet – oft, wenn auch nicht immer – deutlich mehr Aufwand (mehr Text), als eine Statusmeldung bei Facebook.

  • http://www.blog.webmiles.de Torsten

    Schöner Beitrag,

    sehr interessant die Verhältnismässigkeit von Blog zu Facebook.

    Schaut euch doch mal unseren e-Coomerce-Blog an. Über Anregungen, Verbesserungsvorschläge freuen wir uns sehr.

    http://www.blog.webmiles.de

  • http://www.blogtrainer.de Karl-Heinz Wenzlaff

    @Ingo Schnall: Gute Überlegung!

    Wenn ein Blog gut eingefahren ist, einige hundert Seiten guten und SEO-optimierten Content hat, bringt es täglich sehr viele potentielle Neukunden rein. Man sieht das nicht nur an den Sofort-und Spontan-Käufen, sondern auch daran, dass die RSS-Abos kontinuierlich wachsen. All das sind „Kunden in Wartestellung“.

    Richtig, der größte Kostenfaktor eines Business-Blogs ist die Erstellung der Texte. Dafür wirken genau diese Texte nachhaltig als Besuchermagneten. Bei Twitter ist ein Text tot, wenn er nicht in den nächsten 5 Minuten massiv retweetet wird. Auch auf der Facebook-Timeline hat er eher Strohfeuer-Charakter. Das mag für Kampagnen, Gutscheinaktionen etc. geeignet sein. Langfristig macht es aber mehr Aufwand auf diesem Weg Traffic zu generieren, als per Blog.

    Hinzu kommt, dass Sie bei Twitter und Facebook ohne eigene Schuld suspendiert werden können. Dann ist ohnehin Schicht im Schacht…

  • http://helloingo.com Ingo Schnall

    Bei Facebook ist es – seit der Trennung in News- und Livefeed – wichtig, Content zu generieren, der oft kommentiert wird und dann im Newsfeed für längere Zeit „oben“ erscheint.

    Bei Twitter kann man unterschiedliche Strategien fahren – bei einem Account, in dem beispielsweise Schnäppchen getweetet werden, ist eine hohe Zahl von Followern wichtig. Retweetet wird so etwas allerdings kaum.

    Business-Blogs haben aus meiner Sicht nur dann Erfolg, wenn sie dem Nutzer auch echten Mehrwert bieten und nicht nur platte Produkt-PR beinhalten.

    Wie ist der letzte Satz „ohne Schuld suspendiert werden“ gemeint?

  • http://www.my-warehouse.de H.P.

    Netter Artikel, was mir noch fehlt ist eine Erwähnung der rzielbaren Konversionsraten, ist ja nett Besucher auf der Webseite zu haben, aber am Ende zählt der Umsatz und keine Besucherzahlen!

    Allerdings dürften die wenigsten Shopbetreiber in der Lage sein solche Dinge überhaupt zuzuordnen bzw. zu messen, es fehlt da gewöhnlich an entsprechenden Tools.

  • http://www.papermagic.de Michael Vieten

    Zitat: Der Unterschied zwischen Untermiete und digitalem Eigentum. Zitat Ende. Genau diese Erfahrung habe ich immer wieder gemacht. Je weniger Einfluss Dritte auf mein Unternehmen haben, desto besser. Ich erinnere mich z.B. mit Grausen an die Auswirkungen der rücksichtslosen Änderungen bei ebay 2007/2008. Das lasse ich nie wieder zu. Lieber investiere ich Arbeit in den eigenen Blog, als mich irgendwelchen Strömungen oder Entscheidungen auszuliefern, die ich nicht beeinflussen kann.

  • FS

    So pauschal gegen facebook und co. zu wettern halte ich für ebenso falsch, wie diese in den Himmel zu loben.

    Sicherlich mag die Rechnung erst mal toll aussehen -aber wenn Sie schon vorrechnen, wie viele Facebook-Seiten es gibt, stellt sich doch auch die Frage: Wie viele Blogs gibt es eigentlich? Und die ersten 1000 Blogeinträge zu generieren dauert sicherlich ebenso lange, wie Tausende von „Fans“ bei Facebook zu sammeln und diese regelmäßig mit kurzen und daher schnell schreibbaren Statusmeldungen über Produkte und Angebote zu „füttern“.

    Daher ist das in meinen Augen eine etwas alberne Milchmännchenrechnung.
    Wenn man rechnet 1000 Blogeinträge á 1 Stunde: Sichert also 1000 Stunden Arbeit 1000 Bestandskunden. Steckt man die gleiche Zeit in eine Community glaube ich kaum, dass der Nutzen geringer sein wird.

    Auch der Google-Effekt läßt sich über kruze News auf der Website erzielen, dazu braucht es keinen umfangreichen Blog.

Online-Marketing

3 Growth Hacks für Online-Shops: Jetzt ausprobieren!

Hendrik Lennarz •

Conversion & Usability

Was Unternehmen von Conversion-Optimierern lernen können

Matthias Henrici •