Eine Website in einer fremdsprachigen Version zu veröffentlichen, steigert die Umsätze eines Onlinehändlers bisweilen deutlich, weil er komplett neue Zielgruppen erreicht. Allerdings reicht es nicht aus, einfach Text in die jeweilige Sprache zu übersetzen. Man wird mit seiner Conversion-Optimierung nochmals von vorne beginnen müssen, weil in verschiedenen Kulturen oft auch unterschiedliche Website-Elemente für eine gute Conversion-Rate sorgen.

Ist das nicht schrecklich? Da hat man vielleicht getestet und nochmals getestet und so beispielsweise eine Landingpage gebaut, die eine sehr zufrieden stellende Conversion-Rate vorzuweisen hat, und dann muss man wieder ganz von vorne beginnen. Keine Angst. Sehr oft ist das nicht der Fall. Sollten Sie allerdings eine Lokalisierung Ihres Onlineshops und/oder Ihrer Landingpages planen, müssen Sie doch nochmals zurück an den Anfang. Was bei deutschen Zielgruppen gut funktioniert, muss nämlich bei italienischen, spanischen, japanischen… Zielgruppen noch lange nicht funktionieren.

Was bedeutet Lokalisierung? Was kann es bringen?

Es kann durchaus Sinn machen, einmal darüber nachzudenken, seinen Erfolg als Onlinehändler nicht auf Deutschland zu beschränken. Möglicherweise sind die angebotenen Produkte ja auch für eine ausländische Zielgruppe interessant und es könnte die Umsätze deutlich steigern, wenn man ihnen diese Produkte ebenfalls anbietet? Falls solche Chancen bestehen, müssen die für den Handel eingesetzten Internetseiten lokalisiert werden. Das heißt erst einmal, dass die Texte in die jeweilige Muttersprache der Bewohner des jeweiligen Ziellandes übersetzt werden sollten.

Lokalisierung ist aber mehr. Letztlich wird bei ihr die gesamte Internetseite in eine fremde Kultur übersetzt. Und was bedeutet das wiederum? Es bedeutet, dass möglicherweise Farben, eingesetzte Videos und Bilder sowie die Platzierung von Buttons und Menüs überdacht werden müssen. Die getroffene Auswahl für die deutsche Zielgruppe, die bei ihr für eine ausgezeichnete Conversion-Rate sorgt, ist nämlich für die ausländische Zielgruppe eventuell gar nicht mehr optimal. Ich möchte Ihnen einige mögliche Gründe dafür nennen:

  • Unterschiedliche Kulturen definieren unterschiedliche Tabus, unterschiedliche Grenzen, die etwa Erotisches von Obszönem oder Witziges von Geschmacklosem unterscheiden.
  • Farben haben teils in unterschiedlichen Kulturen eine unterschiedliche Bedeutung; so ist etwa „Weiß“ nicht überall die Farbe der Unschuld, sondern gilt etwa in Teilen Chinas als Farbe der Trauer. Ein bestimmter Grünton ist in islamischen Kulturen oft religiösen Inhalten vorbehalten.
  • In islamischen Ländern wird in der Regel von rechts nach links gelesen. Der Blick wandert damit anders über eine Website als etwa bei einem Deutschen. Dadurch sind Platzierungen von Buttons oder Menüpunkten auf der deutschen Website eventuell für die islamisch lokalisierte Variante nicht mehr optimal.

Optimierung: Nochmals von vorne bitte!

Es gibt noch eine ganze Reihe weiterer Beispiele, aber die genannten reichen für das aus, was ich hier sagen möchte: Sie haben vielleicht das optimale Website-Element X für Ihre deutsche Landingpage gefunden. Das muss nicht bedeuten, dass es auch das optimale Element für die lokalisierte Variante der Seite ist. Sie können letztlich bei keinem einzigen mit deutschen Zielgruppen getesteten Element Ihrer Website völlig sicher sein, dass es auch bei einer ausländischen Zielgruppe funktioniert. Wer eine Website lokalisiert, muss also tatsächlich mit der Conversion-Optimierung wieder recht weit vorne beginnen. Schon irgendwie blöd, nicht wahr? Aber es wird sein müssen, weil Sie sich ansonsten möglicherweise wundern, warum Ihre schöne Conversion-Rate bei der lokalisierten Seite plötzlich in den Keller gerutscht ist. Warten Sie nicht, bis Sie sich wundern. Testen Sie vorab.

Fremdsprachige Zielgruppen im Inland

Was ich Ihnen hier erzähle, könnte auch interessant sein, wenn man einmal überlegt, ob sich fremdsprachige Websites nicht auch für die Türkisch, Chinesisch, Russisch… sprechende Bevölkerung in Deutschland eignen. Denken Sie eventuell einmal darüber nach, ob etwa die Website auf Türkisch bei der türkischen Bevölkerung Deutschlands Erfolge feiern könnte. Falls Sie es probieren möchten, bauen Sie allerdings wiederum nicht darauf, dass Ihre eventuell vorhandene türkische Website für eine Zielgruppe auf dem türkischen Markt genauso gut bei in Deutschland lebenden Türken funktioniert. Auch hier sollten Sie nicht mutmaßen. Sie sollten testen.

Jörg Dennis Krüger

Jörg Dennis Krüger ist einer der Pioniere der Conversion-Optimierung in Deutschland. Er ist Autor des Buches “Conversion Boosting mit Website-Testing” und Gründer von ConversionBoosting. Zuvor war er in leitender Position bei QUISMA, Sixt und Regiondo tätig. ConversionBoosting zeigt, wie Unternehmen ihre Websites, Landingpages und Onlineshops für mehr Conversion optimieren können. Dabei ist ConversionBoosting keine Agentur, sondern bietet personalisierte Optimierungsvorschläge, eine Wissensdatenbank, Online-Workshops und weitere Werkzeuge zur Conversion-Optimierung und dem internen Wissensaufbau dazu. Abgerundet wird das Angebot durch eLearning-Kurse mit Abschlusszertifikaten “Fachmann Conversion-Optimierung”, “Spezialist Landingpage-Optimierung”, “Spezialist eCommerce-Optimierung” und “Zertifizierter Master Conversion-Optimierung”

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