Das E muss weg! In Zeiten von professionellem Multi-Channel-Commerce und einer kanalübergreifenden Customer-Journey scheint dieser einzelne Buchstabe für manche so rustikal zu sein, wie die Bonner Republik oder ein Mercedes 600 SEL. Also opfern wir ihn doch auf dem Altar des Fortschritts: Ab heute gibt es nur noch Commerce! Getreu dem Motto „weniger ist mehr“ setzt sich diese Denkweise derzeit immer weiter durch. Und doch bleibt sie unlogisch, schwammig und im Grunde kontraproduktiv.

Richtig ist: eCommerce ist ein Teil des gesamten Handels. Das war allerdings schon von Beginn an so und ist nun wirklich nichts Neues. Neu ist, dass Filialisten, stationäre Händler, klassische Katalogversender und all die anderen, bisher im Internet weniger vertretenen Gesellen, in einigen Fällen nun endlich echte Multichannel-Player geworden sind und das Internet, also den klassischen eCommerce, als weiteren Absatzkanal erfolgreich erschlossen haben. Wie Marcus Diekmann in unserem Video-Interview schon richtig gesagt hat, handeln diese Protagonisten im besten Falle im Sinne einer No-Line-Strategie und damit kanalübergreifend. Konkret könnten einzelne Kanäle also auch Verluste einfahren, sofern sie dafür „andere Kanäle befruchten“ und das Produkt trotzdem gefunden und gekauft wird. Soweit so richtig.

Damit ist klar: Wer aus unternehmerischer Sicht (noch immer) in Kanälen denkt, denkt veraltet. Punkt. Der Reiz, dem Ganzen auch symbolisch Ausdruck zu verleihen und dem eCommerce den ersten Buchstaben zu streichen, scheint daher also hoch zu sein.

Das Problem dieser schnell gedachten Namensänderung ist allerdings, dass es sehr wohl einzelne Kanäle gibt und weiterhin geben wird. Und diese Kanäle sollte man auch weiterhin einzeln betrachten, messen, optimieren – kurz gesagt: Ernst nehmen! Auch (oder gerade), wenn sich einzelne Schnittpunkte verändern und die Kanäle im Allgemeinen enger zusammenrücken oder teilweise verschwimmen.

Es ist im Grunde egal, wo der Kunde herkommt. Entscheidend ist, dass er kauft. Tut er das im Internet, gibt es verschiedene Gründe, warum er das macht. Wir haben in den letzten 10 Jahren eine enorme Professionalisierung im eCommerce erlebt, angefangen bei logistischen Prozessen bis zur Optimierung der Conversion Rate an nahezu allen neuralgischen Punkten. Diese Spezialisierung ist kanalgebunden und lässt sich nicht einfach auf andere Kanäle übertragen. Diese Professionalität ist eCommerce Know-How! Und dieses Know-How ist auch in Zukunft gefragt.

Auch wenn es für ein Unternehmen richtig ist, Erfolge kanalübergreifend zu bewerten, sollten wir einmal darüber nachdenken, wie wichtig die Unterscheidung der einzelnen Kanäle für den nachhaltigen Erfolg des jeweiligen weiterhin sein wird. Und das E behalten – als Statement!

Shopgate – Mobile Shopping Leader

leitet das Product Management beim führenden Mobile Commerce Anbieter Shopgate. Vorher war Alexander Köhler viele Jahre Geschäftsführer der eCommerce-Agentur Conpark. Er beschäftigt sich vorrangig mit Trends und neuen Geschäftsmodellen im eCommerce, allem voran Mobile Commerce. Alexander Köhler ist zudem Mitgründer und -herausgeber der eCommerce Lounge.

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