Einkaufen über das Internet – eine einfache Sache, sollte man denken. Keine langen Schlangen an der Kasse, keine unnötigen Wege, wenig Wartezeiten, geringere Kosten. Nicht unbedingt, zumindest nicht, wenn es darum geht, die Warteschlangen und Kosten von einer anderen Seite und Warte aus zu betrachten, beispielsweise von jener der Zollämter und fällig werdender Einfuhr-Umsatzsteuer für Online-Shopper. Hier nämlich kann sich der sonst so agile eCommerce schnell in ein zähes Ringen mit Raum, Zeit, Kosten und Kontrollen durch Beamte verwandeln.

Darüber berichtet unter anderem die Neue Osnabrücker Zeitung Online – vom Kampf mit und gegen Kontrollen und Konditionen, die der Zoll an den eCommerce nun einmal stellt. Und die steigende Anzahl von Paketen, die den Sprung über die Einfuhr-Hürde nicht auf Anhieb schaffen, wächst dem Bericht zufolge jährlich und dramatisch: 34.000 Pakete im Bezirk Düsseldorf-Nord, 21.000 für die Stadt und die Region Hannover nur für das vergangene Jahr. Hochgerechnet für das gesamte Bundesgebiet, könnte sich die Zahl der Päckchen und Pakete mit Nachzahlungsgeschmack auf gut 1,6 Millionen belaufen.

Andere Länder – anderes Labeling
„Schuld“ an den langen Schlangen bei deutschen Zollämtern sind Sendungen, die von außerhalb der EU kommen, obgleich die Verkäufer ihre Ware beispielsweise via Ebay an den Mann und die Frau bringen. Oder aber, die Pakete enthalten Waren, die nicht denen der Deklaration für den Zoll entsprechen. Hinzu kommen Produktsicherheitsbestimmungen, bei denen die Auslegung in den Herkunftsländern nicht der EU-Norm entspricht oder auch Medikamente, die sich anderswo Nahrungsergänzungsmittel nennen. Kurzum: Ein großer Diskrepanzen-Katalog, zu dem dann noch Schnäppchen-Killer wie die Einfuhrumsatzsteuer kommen und den Online-Shoppern das Geschäft vermiesen.

Zusammengenommen führt dies zu unangenehmen Überraschungen, wenn beispielsweise anstelle des Paketdienstes der Postbote klingelt – mit einem Brief des Zollamtes, wo das lang ersehnte Päckchen inklusive vieler Fragen, Mehrkosten und eventuellem Erklärungsbedarf des Inhalts abgeholt werden kann – oder eben auch nicht. Aufgrund des Postgeheimnisses dürfen die Zollbeamten kein Päckchen oder Paket eigenmächtig öffnen und müssen beim Abwägen der Verdachtsmomente eben auf Erfahrungswerte und das berühmte Bauchgefühl vertrauen. Nimmt man die eingangs genannten Zahlen der Pakete, die beim ersten Versuch an der deutschen Zollhürde jährlich scheitern, scheinen sie insgesamt einen guten Riecher zu haben.

ist Autor, Blogger, Journalist, Redakteur und Texter. Für die eCommerce Lounge schreibt er Beiträge zu Themen des eCommerce.

Conversion & Usability, Online-Marketing

SEO und Conversion-Optimierung: (k)ein Dream-Team?

Jörg Dennis Krüger •

Recht

E-Commerce-Recht – Rückblick auf den Monat Oktober 2014

Rolf Albrecht •