Ende September startete Facebook in den USA seinen neuen Dienst Facebook Gifts. Mit Hilfe des sozialen Netzwerkes kann man seinen Freunden Geschenke aller Art zukommen lassen – Empfehlung und Erinnerung inklusive. Was steckt hinter dem Dienst und könnte das für Online-Händler interessant sein?

Geschenke für Freunde

Die Idee hinter Facebook Gifts ist einfach: Zukünftig soll man seinen Facebook-Freunden einfach und ohne Umwege Geschenke zukommen lassen können. Hierbei handelt es sich um physische Ware und nicht mehr wie bislang um virtuelle Produkte. Ob Gutscheinkarten für Starbucks, Mode, Elektroartikel, Kunst oder einfach nur eine Tafel Schokolade – alles soll möglich sein. Facebook Gifts wird hierbei eng in die bestehende Geburtstags-Erinnerung von Facebook integriert. Außerdem wird es in die Hochzeit und Geburtsfunktion von Babys mit eingebunden. So ist das beschenken von Freunden zu einem gegebenen Anlass nur einen kurzen Klick entfernt. Anhand der „gefällt mir“-Angaben und weiterer Profil-Informationen der glücklichen Geschenk-Empfänger, werden zusätzlich passende Vorschläge für ein Präsent erstellt. Facebook selbst bekommt einen Teil des Umsatzes als Vermittlungsgebühr. Wie hoch dieser sein wird ist noch nicht öffentlich.

Mit nur einem Klick zum passenden Geschenk für Judy – so sieht die Integration des Gift-Services in Facebook aus. Der Dienst funktioniert dank Karma-Infrastruktur auch mobile!

Das perfekte Last-Minute Geschenk?

Es scheint als könnte sich Facebook-Gifts zum perfekten Last-Minute Geschenk entwickeln, da das Geschenk sofort via Facebook übermittelt wird. Neben der physischen Ware bekommen die Beschenkten noch eine persönliche Nachricht – entweder auf die Chronik für alle sichtbar oder als persönliche Nachricht. Perfekt für alle, die gerne etwas schenken aber ungern selber shoppen. Noch besser für diejenigen, die es auch noch öffentlich gerne zeigen möchten.

Ein weiteres interessantes Feature: Die Beschenkten können bzw. müssen variable Angaben wie Farbe oder Größe des Geschenkes selbst eintragen. Die Schenker können also nicht viel falsch machen und die Beschenkten sind glücklich. Facebook allerdings auch, denn so wandern unzählige persönliche Informationen und Adressen (Geschenk-Empfänger), sowie Umsatzdaten und Kreditkarten-Informationen (Geschenk-Sender) in den Zuckerberg-Datenpool. Zumindest für deutsche Nutzer wirkt das jedoch oftmals abschreckend.

Großes Potential dank Karma-Infrastruktur

Facebook Gifts beruht auf der Infrastruktur des Mobile Commerce Startups Karma, welches Facebook im Mai dieses Jahres komplett akquirierte. Karma entwickelte bereits erfolgreich Geschenk-Apps für Familie und Freunde. Der Dienst soll daher auch mobile direkt verfügbar sein. Im Interview mit Forbes bestätigte Karma-Mitbegründer Lee Linden zudem, dass seinerzeit eine komplette Back-End Infrastruktur für E-Commerce Operations entwickelte. Genau das, was Facebook bislang noch fehlte und das virtuelle Produktportfolio ergänzt.

Schon wieder dieses „F-Commerce“?

Zunächst geht Facebook mit seinem Gift-Service kleine Schritte und schielt zu Beginn auf den „Handel“ mit Produkten deren Warenwert unter 50$ liegt. Was mit kleinen Aufmerksamkeiten wie Socken, Schokolade, Blumen oder Kino-Gutscheinen zum Geburtstag anfängt, könnte sich bald schon zu Wunschzetteln zur Hochzeit oder Weihnachten weiterentwickeln. Viele Fragen bleiben noch unbeantwortet: Spekuliert Facebook darauf ein Amazon für Geschenke zu werden? Für welche Händler/Hersteller kann es sinnvoll sein über Facebook Produkte zu verkaufen? Und könnte Online-Händlern eines Tages vielleicht sogar Konkurrenz gemacht werden? Händler sollten die Entwicklungen und die von Facebook veröffentlichen Informationen also im Auge behalten, Grund zur Panik besteht jedoch vorerst nicht.

Auf Wunsch kein Geschenk auch öffentlich auf der Chronik veröffentlicht werden. Für jedermann sichtbar.

Bisher ist Facebook Gifts nur in den USA verfügbar, soll aber bald auch in UK eingeführt werden. Es bleibt also nur eine Frage der Zeit bis auch hierzulande Präsente über Facebook verteilt werden können. Die eigentliche Frage bleibt aber, wie bei allen „F-Commerce“-Diskussionen, ob es die deutschen Facebook-Nutzer überhaupt wollen.

ist Redakteur der eCommerceLounge und freier Mitarbeiter der Adrian Hotz E-Commerce Beratung. Er beschäftigt sich mit den Themengebieten E- und M-Commerce, sowie Social Media. Aktuell studiert er an der Universitat Pompeu Fabra in Barcelona mit dem Studienziel M.Sc in International Business.

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