Der Börsengang von Facebook zeigt vor allem eins – Facebook ist eine Wette auf die Zukunft: Das Potenzial scheint riesig, aber der tatsächliche Wert ist geringer. Es sind vor allem die vielen individuellen Nutzerdaten, die das Netzwerk so wertvoll machen. Doch eben diese können noch nicht in der Breite und auch nicht wirklich bequem für den tatsächlichen Abverkauf von Produkten innerhalb oder mit Hilfe des Netzwerkes genutzt werden. Insgesamt bietet Facebook bislang zu wenige Funktionen, um erfolgreich über das Netzwerk zu handeln.

Irritierender Weise wird der Begriff F-Commerce häufig sehr weit gefasst, statt dem eigentlichen Handeln wird nicht selten schon die Kaufanbahnung hierunter zusammengefasst. Hier hinter verbirgt sich die Hoffnung, dass viele Fans on-, oder sogar offline auch zu Käufern konvertieren. Dabei handelt es sich jedoch nicht um Commerce, sondern um (soziale) Werbung – Nicht anders als bei klassischer Werbung in Print und Medien wird hier ein Budget definiert und dann nach Möglichkeit geprüft wie die Response-Rate auf die Kampagne ist.

Das eigentliche Handeln auf Facebook gestaltet sich allerdings dann doch deutlich schwieriger, als das Werben mit Facebook. Die zentralen Gründe hierfür sind vor allem die bislang fehlende Bereitschaft der Nutzer in Facebook einzukaufen, die mit der Verwendung der Nutzerdaten unweigerlich verbundene Datenschutzthematik (z.B. bei Facebook-Connect-Anwendungen) und vor allem die fehlende Unterstützung durch Facebook in Form von sinnvollen Erweiterungen für Händler.

Massive Usability Probleme und fehlender Mehrwert – Integration von Facebook Shops

Über eine App integrierte Online-Shops sind bislang der gängigste Weg wie Online-Händler ihre Produkte innerhalb des Netzwerkes zum Kauf anbieten können. Auch mit integrierten Facebook-Shops gestaltet sich der Verkauf jedoch bislang äußerst schwierig. Die Usability lässt stark zu wünschen übrig. Langsame Ladezeiten und die schwierige Navigation durch die Shops, stellen potenzielle Kunden vor eine harte Prüfung. Hinzu kommt, dass das Layout häufig stark angepasst und reduziert werden muss, damit der Shop überhaupt einigermaßen in Facebook integriert werden kann. Selbst, „Best Practice – Beispiele“ wie der Facebook-Shop von ASOS bieten nicht annähernd dasselbe Einkaufserlebnis, welches Kunden aus dem Online-Shop gewohnt sind. Die Browser-Navigation ist ausgeschaltet und über die ständig eingeblendete Navigationsleiste von Facebook werden andere (Shopping) Apps oder im schlimmsten Fall sogar Konkurrenten beworben.


Facebook-Shop von ASOS

Man kann sich vorstellen, dass dies nicht gerade förderlich für die Conversion-Rate ist. In vielen Fällen staunt man auch über Beispiele, wo sich Online-Shops in viel zu kleine Frames quetschen und die Nutzer durch umständliches herumscrollen wohl die Lust verlieren und zu Recht die Frage nach dem Mehrwert stellen. Denn diesen gibt es aktuell nicht. Wieso sollten Kunden über Facebook einkaufen, wenn der gut funktionierende Shop nur den berühmten „einen Klick“ entfernt ist? Das Herauslinken aus Facebook auf den eigenen Online-Shop erspart den Händlern viel Arbeit und somit Geld. Fahrrad.de hat den eigenen Facebook-Shop nun sogar wieder geschlossen. Trotz der großen Auswahl (ca. 40.000 Artikel), haben die Kunden wohl doch lieber im übersichtlichen Online-Shop eingekauft.

Es sind ausgewählte Aktionen die erfolgreich sind

Das richtige Produkt zur richtigen Zeit zu streuen und auf eine virale Verbreitung zu hoffen, ist aktuell wohl die einzige Empfehlung die man Händlern aussprechen kann. Denn bislang sind Erfolgsbeispiele überwiegend kurzzeitige Aktionen oder digitale Güter. Darüber hinaus gelingt es vor allem prominenten Persönlichkeiten, Produkte zu verkaufen oder für diese zu werben. Schaut man sich Lady Gaga oder Cristiano Ronaldo an, besitzen auch diese keine voll integrierten Online-Shops sondern verlinken auf iTunes bzw. Nike. Die extrem hohe Reichweite lässt aber erahnen, dass durch die Werbung Kaufimpulse gesetzt werden die auch zu Umsatz führen: Bei fast 40 Millionen Fans und einer hypothetischen Conversion-Rate von 0,1% der Fans, die dann auch das Ronaldo-Trainingstrikot im Wert von 55€ kaufen würden, würde hier immer noch 2.2 Millionen Euro Umsatz gemacht werden. Das ist Werbung, aber ist das F-Commerce?

Facebook passt sich nicht dem Handel an, sondern der Handel muss sich anpassen

Der offene Brief von Marc Zuckerberg, der zum Börsengang veröffentlicht wurde, verliert auch ein paar Worte über das Handeln mit Produkten auf und mit der Plattform. Die Produkte, welche erfolgreich vermarktet werden sind demnach “social by design”, was erahnen lässt, dass es sich um sehr ausgewählte Produkte und nicht um das ganze Sortiment eines Shops handelt. Wenn Facebook wollen würde, dass die gesamten Sortimente in das Netzwerk geladen werden, dann würde es mit Sicherheit von Facebook Tools hierfür geben, die funktional weit über Facebook-Connect oder über die Einbindung von iFrames hinausgehen würden. Das scheint aber offensichtlich nicht im Fokus der Strategie des Netzwerkes zu liegen. Im Fokus der Strategie liegt aktuell schließlich der Verkauf von Werbung.

Konkret heißt es:

“As people share more, they have access to more opinions from the people they trust about the products and services they use. This makes it easier to discover the best products and improve the quality and efficiency of their lives.

One result of making it easier to find better products is that businesses will be rewarded for building better products — ones that are personalized and designed around people. We have found that products that are “social by design” tend to be more engaging than their traditional counterparts, and we look forward to seeing more of the world’s products move in this direction.”

Wäre es nicht schön für Händler zu wissen, welche Produkte Nutzer gerade besitzen und haben wollen oder welche die Freunde dieser Nutzer vielleicht empfehlen? Ja, es wäre schön – Natürlich, sind es aus Sicht der Händler spannende Perspektiven die der F-Commerce bieten könnte. Ob Facebook jedoch überhaupt so weit geht und in Zukunft gehen kann, liegt am Ende nicht an den Wünschen der Händler, sondern an denen der Nutzer. Nur wenn diese auch einen klar ersichtlichen Mehrwert erkennen, sind sie bereit dafür mit ihrer Datentransparenz zu bezahlen. Aktuell ist das offensichtlich jedoch nicht der Fall.

ist Dipl.-Kfm. und Projektleiter beim E-Commerce-Center Handel (ECC Handel) an der Institut für Handelsforschung GmbH in Köln. Er beschäftigt sich seit mehreren Jahren intensiv mit den Themengebieten Social Media und Multi-Channel-Management für das ECC Handel. Als Projektleiter ist er Verantwortlich für unternehmensspezifische Social-Media-Monitoring-Lösungen, welche das IFH Köln gemeinsam mit IBM Deutschland realisiert.

  • http://ecompunk.com Roman Zenner

    Vielen Dank für den Beitrag, dem ich völlig zustimme, weil er das Thema F-Commerce als den sinnlosen Hype entlarvt, der er ist. Erst gestern hatte ich mir selbst auch Gedanken dazu gemacht: http://ecompunk.com/2012/02/02/romans-rants-facebook-commerce/

  • http://www.stylesclub.com Malte Schulze

    Ich kann gar nicht sagen, wie sehr mir dieser Artikel aus der Seele spricht. Es ist unglaublich, dass Payvment als die #1 fCommerce-Plattform gehandelt wird. Ausser Pop-Up Stores funktioniert nichts bisher auf Facebook.
    Dabei ist es doch so einfach. Facebook wurde fuer Menschen entwickelt und nicht fuer Businesses. Kein fCommerce wird in meinen Augen jemanls Erfolg haben, so lange er sich nicht ueberlegt welches Problem er fuer seine Nutzer loest.
    Eine Idee: Fangt damit an mir aus den 30,000 Paar Herrenschuhen auf Zalando mir die 4 Paar rauszusuchen, die mir gefallen. Das reicht doch schon.

    Malte – Gruender von StylesClub

  • http://www.shopshare.eu Hendrik Maat

    Einen schönen Guten abend!

    Der Artikel schneidet ein Thema an wo das letzte produkt noch lange nicht vekauft ist. (letztes Wort gesprochen). Ich stimme voll zu, die Verkäufe auf Facebook gestalten sich nicht so WIE DIE MEDIEN DAS VERSPROCHEN HABEN. Der Hype dauert allerdings immer noch an, und wir bekommen tagtäglich Händler die schnellstmöglich der Facebookshop online schalten möchten.

    Wir (von ShopShare) raten schon seit das wir am Markt als erstes mit eine Facebook- Shoplösung online waren den Händler zuerst die Hausaufgaben zu machen. 90% der Händler die sich bei uns melden haben noch keine 200 Fans (manchmal noch gar keine). Und wenn man denen dann abrät einen Facebookshop zu machen, wollen sie nicht hören. „Es schadet doch nicht mal zu testen“ bekommt man als Antwort. „Es fallen eh keinen Kosten an im kleinstpacket, das wollen wir mal probieren“. Oder: „bei KissFM scheint es ja auch zu funktionieren, geht sicher bei uns auch“ (www.facebook.com/988kissfm). Dass die eine Fancommunity von 80.000+ haben (teils aufgebaut MIT den Shop) will man gar nicht sehen.

    So wundern mich die Reaktion von den enttäuschten Händler (wie oben) auch nicht. Nicht zuletzt den vielen Blogs und Medien die immer wieder die potentiale im F-Commerce beleuchten sind schuld daran das Händler das Thema nicht richtig betrachten. Facebook – 800 Millionen User -dollarzeichen in den augen und ab…. (es tut mich leid das ich hier etwas sarkastisch geworden bin über die jahren).

    Zitat von oben: „Die zentralen Gründe hierfür sind vor allem die bislang fehlende Bereitschaft der Nutzer in Facebook einzukaufen, die mit der Verwendung der Nutzerdaten unweigerlich verbundene Datenschutzthematik (z.B. bei Facebook-Connect-Anwendungen) und vor allem die fehlende Unterstützung durch Facebook in Form von sinnvollen Erweiterungen für Händler.“

    Ich sehe das GANZ anders. Die Zentrale Hürde ist nicht der fehlende Bereitsschaft der Konsument, usability oder Facebookunterstutzung an den Händlern! ganz und gar nicht! Der Konsument kauft schon wenn er was haben will. Lassen Sie sich doch nichts vormachen! Die Zentrale Hürde ist die Nachfrage nach Angebote und Aktionen! Und die ist eindeutig vorhanden, so belehren uns mehrere Studien über Facebook. Der Fan möchte gerne aufmerksam gemacht werden auf Produkte (Aktionen, Neue Produkte, Abverkauf, Exclusives, usw.) NUR: Der Händler schaft es nicht dies ab zu bilden! Kaum hat der Händler ein System gefunden womit er Produkte in Facebook verkaufen kann, kommt die Nachfrage wegen schnittstellen! Auf die Frage wieso, wird geantwortet das doch alle Produkte synchron sein müssen. Wir: „Alle produkte?“. Händler: „Ja kar! Ich habe 12.000 Produkte die kann ich unmöglich von Hand einpfegen“.

    Resultat: Nochmal eine Stunde unbezahlte Beratung mit am Ende ein Versprechen das man den Händler die API Beschreibung für den Facebookshop zusenden wird. Und eine gedankliche Garantie schon wieder einen enttäuschte Händler begrüßen zu können in drei Monate. (Mittlerweile bieten wir den API erst gar nicht mehr an)

    Also, was jetzt fragen Sie? Simpl. Hausaufgaben machen. Facebookshops verkaufen ebenso wenig als Webshops und als Real-Shops wenn keine Besucher kommen. Also: Zuerst die Social Media kanäle richtig belegen. Basis schaffen. Und weil weitaus die meisten noch lange nicht so weit sind, lasse ich es vorerst mal dabei. Wenn es Zeit wird sich um f-commerce Gedanken zu machen (Facebookshops IN die Fanseite und NICHT als Facebook-canvas-app (http://www.gefaellt-mir.eu/2011/02/20/nur-weil-facebook-shop-drauf-steht-muss-noch-lange-kein-facebook-shop-drin-sein-teil-i/), dann melden Sie sich doch. wir helfen gerne weiter.

    Und um Ihnen nicht ganz in die Kalte stehen zu lassen (hier in Kassel hats momentan minus 13 draußen) hier noch einen Tipp als tool für die Aufbau von Ihren facebookprecence: http://www.iframewrapper.com

    Und als Ausblick für den kommenden Monat: Wir arbeiten gerade zusammen mit einigen großen Shopsysteme an eine Lösung damit Händler vom Backend aus der Shoplösung einzelne Produkte als Kampagne auf Facebook publizieren können. Per API natürlich. Aber richtig lesen: einzelne Produkte ;).

    Ein schönen Abend noch und ich freue mich auf morgen! Wer ist dann morgen auf dem Plenty Kongress?

    Hendrik Maat
    ShopShare

  • http://social-commerce-plattform.de Matthias

    Ich glaube ebenfalls, dass es darum geht was man unter F-Commerce versteht und wie man es nutzt. Ist man der Auffassung es sei die Integration seines Online-Shops auf Facebook, so wird man zu dem Schluss kommen, dass es nicht so gut funktioniert, bzw. dass der eigene Online-Shop besser ist. Geht es allgemein darum Facebook zu nutzen, um Online-Verkäufe ergänzend anzukurbeln, dann muss man aber zugeben, dass dies sehr gut funktionieren kann, auch über Facebook-Ads hinaus. Facebook ist ein Social Network, kein Shopping Network, daher funktionieren – zumindest aktuell – auch vor allem bedarfweckende Konzepte und keine bedarfsdeckenden.

    Meine zentralen Learnings beim Konzepten im Bereich F-Commerce sind, ähnlich wie bei Hendrik:
    – Angebote, exklusive Specials und kleine Teilsortimente nutzen… nie den ganzen Shop
    – diese in Form von Posts platzieren… Shops in Fan-Page-Tabs oder noch schlimmer Apps mit Freigabe-Anfragen sind zu versteckt und kriegen einfach schwierig Traffic
    – Monitoren und optimieren… das ist kein Selbstgänger, sprecht die Fans in den Produkt-Posts an, messt und optimiert Zeiten und Wochentage der Posts bzgl. Interaktionsraten

    In dieser Form habe ich allerdings erlebt, dass F-Commerce sehr gute Ergebnisse liefern kann! Nicht nur für Shops, sondern auch für Publisher über Affiliate-Daten.
    Aber ich bin gespannt was von Facebook noch in die Richtung kommt, ich glaube einiges wird noch passieren.

    Viele Grüße
    Matthias von http://social-commerce-plattform.de

  • http://unternehmensberatung-pump.de/kfw-gruendercoaching/.de Toralf

    Also ich kann mich errinnern das google auch der Tod vorausgesagt wurde, weil google keine richtige Substanz hat. Und bis heute gibt es google und ich denke das wird so bleiben. Genau so wird es Facebook ergehen.

  • http://www.volksfest-grafenwoehr.de/american-food-online-shop Matthias

    Interessante wie Unternehmen über FB Kunden zum shoppen animieren wollen. Jedoch bin ich der Meinung, das Facebook bis dato nicht dafür geeignet ist. Da der Mensch vielleicht doch mal etwas nachdenkt wenn es um Datenschutz geht, hinsichtlich dieser Thematik ist der Ruf von FB dafür doch zu negativ.

  • http://www.erp-warenwirtschaft-vsoft.de/projektmanagement/site PM

    Als FB user kann ich nur sagen, dass mich die eCommerce-Angebote auch abschrecken. Wenn man nicht mal in Ruhe stöbern kann, ohne sich zu registrieren oder anzumelden, ist das nicht sehr komfortabel. Und Datenschutz ist dann das nächste Thema.

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