Nach bekanntwerden rechtlicher Schritte seitens giropay gegen Mitbewerber Sofortüberweisung.de, wurden, neben diversen Gerüchten zu Sicherheit und Geschäftsgebaren, auch offene Kritik zu beiden Online-Bezahldiensten laut. Mit Herrn Dr. Lütcke konnten wir bereits den für Finanzen, Recht und internationale Entwicklung zuständigen Vorstand des Sofortüberweisung.de-Anbieters Payment Network für ein Interview gewinnen, um zum aktuellen Verfahren sowie den bestehenden Anschuldigungen Stellung zu nehmen. Auch seitens giropay war es uns nun möglich, ein Interview mit dem zuständigen Geschäftsführer zu führen.

Im Folgenden nimmt giropay-Geschäftsführer Schlüter Stellung zum rechtlichen Vorgehen gegen Sofortüberweisung.de und erklärt die Hintergründe zu den häufigsten Fragen an den Online-Bezahldienst.

Was ist für giropay der Hauptgrund, gegen Sofortüberweisung.de vorzugehen?

Schlüter: Während giropay im Interesse der Sicherheit der Kunden die verbindlichen Regeln der Banken einhält, unterläuft Payment Network AG die Sicherheitsstandards der Banken, indem sie die Kunden vertrauliche Daten auf bankenfremden Seiten eingeben lässt. Über die damit verbundenen Risiken klärt sofortüberweisung.de die Nutzer nicht auf. Zugleich verschafft man sich so auf Kosten der Sicherheit einen Wettbewerbsvorteil gegenüber Anbietern wie giropay, bei denen die Kunden anders als bei sofortueberweisung.de PIN und TAN ausschließlich im sicheren Online- Banking ihrer Bank oder Sparkasse eingeben. Bei giropay wurden die nötigen Investitionen durch die Beteiligten getätigt, um Kunden eine sichere und AGB-konforme Online-Überweisung anzubieten.

Die Tatsache der Weitergabe von Legitimationsdaten an Dritte wird nicht nur von SÜ genutzt, auch andere Systeme bauen darauf auf. Wie stehen Sie dem gegenüber?

Schlüter: Unsere kritische Haltung gilt selbstverständlich nicht nur der Payment Network AG mit ihrem Angebot „sofortüberweisung.de“, sondern allen Anbietern, die Kunden dazu auffordern, vertrauliche Daten auf bankenfremden Seiten einzugeben.

Es spricht aus unserer Sicht nichts gegen einen Wettbewerb im Bereich von Bezahlverfahren, die auf dem Online-Banking basieren. Aber: Damit meinen wir einen Wettbewerb mit fairen Spielregeln, die für alle Beteiligten gleichermaßen gelten und nicht zu Lasten der Sicherheit von Online- Banking-Kunden gehen.

Erklären Sie bitte kurz, wie das System von giropay funktioniert

Schlüter: Als Online-Bezahlverfahren von Banken und Sparkassen ermöglicht giropay die schnelle, einfache und sichere Bezahlung auf Basis des vertrauten und sicheren Online-Bankings. Entscheidet sich der Kunde für giropay, wird er nach der Eingabe seiner Bankleitzahl vom Shop des Händlers sicher zum Online-Banking seiner Bank oder Sparkasse geleitet. Hier gibt er wie gewohnt seine Kontonummer und PIN auf den Seiten seiner Bank oder Sparkasse ein. Eine Reihe von Sicherheitsmerkmalen gewährleisten, dass sich der Nutzer tatsächlich im Online-Banking seiner Bank oder Sparkasse befindet und ausschließlich mit seinem Kreditinstitut kommuniziert (u.a. URL der Bank oder Sparkasse und auf das Kreditinstitut ausgestelltes Sicherheitszertifikat). Das System zeigt automatisch eine Überweisung an, die alle Details des Kaufs enthält: Rechnungsbetrag, Verwendungszweck und Bankverbindung des Händlers. Durch Eingabe einer TAN autorisiert der Kunde die Überweisung. Im dritten und letzten Schritt der giropay-Überweisung erhält der Kunde schließlich eine Bestätigung über die erfolgreiche Zahlung. Über die Logout-Funktion wird die Verbindung zum Online-Banking sicher beendet und der Kunde zurück zum Online-Shop geleitet.

Der Händler erhält zeitgleich eine Mitteilung darüber, dass die Zahlung erfolgreich durchgeführt wurde und kann die Ware sofort verschicken oder zum Download bereitstellen. Für jede als erfolgreich bestätigte Zahlung spricht die Bank oder Sparkasse gegenüber dem Empfänger der Zahlung eine eigene Zahlungsgarantie aus.

Kunden benötigen für die Zahlung mit giropay lediglich ein zum Online- Banking freigeschaltetes Girokonto bei einer teilnehmenden Bank oder Sparkasse.

Für viele Shopbetreiber ist die begrenzte Anzahl von Kooperationspartnern bei giropay ein Negativgrund, was entgegnen Sie?

Schlüter: Mit „Kooperationspartnern“ meinen Sie vermutlich die an giropay teilnehmenden Banken und Sparkassen. Aktuell sind es über 1.500 Banken und Sparkassen, die sich für eine Teilnahme an giropay entschieden haben. Dazu gehören neben der Postbank fast alle Sparkassen und Volksbanken Raiffeisenbanken sowie mehrere PSD-Banken, die MLP- Bank, Cronbank, ready-Bank und weitere Bankhäuser. Damit können heute bereits über 17 Millionen Online-Banking-Kunden der teilnehmenden Banken und Sparkassen – rund 80 % aller deutschen Online-Banker – giropay nutzen. Und als offenes System steht giropay darüber hinaus weiteren Banken-Partnern offen.

Um die hohe Sicherheit von giropay garantieren zu können, muss jede einzelne Bank und Sparkasse vertraglich, organisatorisch und technisch an giropay angeschlossen werden. Wenn Sie also bedenken, dass sich jede dieser 1.500 Banken und Sparkassen aktiv für die Teilnahme an giropay entschieden hat, so ist dies eine beachtliche Anzahl von Kreditinstituten, die heute bereits hinter giropay stehen.

Wenn die Payment Network AG mit einer hohen „Bankenabdeckung“ wirbt und davon spricht, dass „Endverbraucher mit Online-Banking von fast allen Banken mit sofortüberweisung.de bezahlen können“, darf man hierbei nicht übersehen, dass Banken und Sparkassen ohne deren Zustimmung angebunden werden. Was als „bankenunabhängiges System“ bezeichnet wird, heißt nichts anderes, als dass Kunden ihre PIN und TAN nicht auf Seiten ihres Kreditinstituts innerhalb der Sphäre von Kunde und Bank, sondern auf bankenfremden Seiten eingeben müssen. Ob sich Kunden der damit verbundenen Sicherheitsrisiken umfassend bewusst sind, wie auch die Händler, die ihre Kunden diesen Risiken aussetzen, indem sie das Bezahlverfahren anbieten, wagen wir zu bezweifeln.

Was die Präsenz von giropay bei Anbietern im Internet betrifft, so verfügt giropay durch die Integration in Online-Bezahlsysteme wie PayPal, ClickandBuy, Moneybookers oder Neteller über ein großes Netz an Akzeptanzstellen. Darüber hinaus bietet eine Vielzahl namhafter Anbieter das Bezahlverfahren giropay direkt in ihrem Online-Shop an (darunter zum Beispiel DHL, Skype, Dell oder Blizzard Entertainment).

Werden in naher Zukunft weitere Banken hinzukommen?

Schlüter: giropay steht als offenes System weiteren Banken-Partnern offen. Sie können sicher sein, dass dahin gehende Gespräche geführt werden und nicht ausgeschlossen ist, dass weitere renommierte Privatbanken giropay anbieten werden.

Wie erklären Sie die höheren Kosten von giropay, welche für Shopbetreiber oft ein Grund gegen den Dienst darstellen?

Schlüter: Wie bereits ausgeführt, muss jede einzelne an giropay teilnehmende Bank und Sparkasse vertraglich, organisatorisch und technisch an giropay angeschlossen werden. Die dadurch gewährleistete hohe Sicherheit kommt allen Beteiligten zugute: Den Händlern, die mit giropay ihren Kunden eine sichere und AGB-konforme Online-Überweisung anbieten und durch die Zahlungsgarantie der Bank oder Sparkasse außerdem kein Ausfallrisiko haben. Den Nutzern, die mit giropay einfach, schnell und sicher über das Online-Banking ihrer Bank oder Sparkasse zahlen und darauf vertrauen können, dass die persönlichen Bankdaten das Geheimnis zwischen ihnen und ihrer Bank bleiben.

Hieran gemessen halten wir die für giropay im Markt befindlichen Preise für absolut marktgerecht. Wir bestimmen allerdings diese Preise nicht. Das ist Aufgabe unserer Vertriebspartner, der sogenannten giropay-Acquirer, die die kaufmännische Anbindung von Händlern vornehmen.

Herr Schlüter, vielen Dank für das Geschpräch.

Was ist Ihre Meinung zum aktuellen Rechtsstreit zwischen giropay und Sofortüberweisung.de? Nutzen Sie unsere Kommentar-Funktion und diskutieren Sie mit.