Mass Customization – Chancen und Grenzen eines Trendmodells

Die Bandbreite der Anbieter reicht von individuell konfigurierbaren PCs über Fotobücher, Modeschmuck und personalisierbaren T-Shirts bis hin zur Zusammenstellung von persönlichen Lebensmittelmischungen. Gerade im Food-Bereich war in jüngster Vergangenheit fast schon ein Hype zu beobachten. Populäre Protagonisten wie mymuesli, allmyTea oder der Schokoladen-Mischer chocri waren Shooting Stars in Blogs und Communities. Erst vor wenigen Tagen kapitulierte chocri vor dem Ansturm der Kunden und teilte mit, bis Weihnachten nur noch maximal 2.000 Bestellungen anzunehmen.
Damit stellt sich die spannende Frage: Steht Mass Customization an der Schwelle zum wirklichen Massenmarkt?
Für das Geschäftsmodell spricht, dass es vielen Anbietern offenbar gelungen ist, durch die spielerischen und experimentellen Konfigurationsmöglichkeiten Kunden zu begeistern und und zu binden. Mit diesem Schachzug gelingt es auch, sich zumindest teilweise dem reinen Preiswettbewerb zu entziehen: Wer sich als Müslimischungsdesigner betätigen will, sucht nicht in der Preissuchmaschine nach dem billigsten Anbieter, sondern legt Wert auf Auswahl, Qualität und ein anregendes Shoppingerlebnis.
Doch die Anbieter stoßen oft auch schnell an ihre Kapazitätsgrenzen, denn bei individuellen Produkten ist das Wachstum schwieriger zu managen. Man kann bei einem Kundenansturm nicht einfach nochmals 10.000 Artikel beim Importeur nachbestellen, sondern muss den Maschinenpark erweitern, neues Personal einstellen und womöglich noch größere Räumlichkeiten suchen. Die Popularität sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass die allermeisten Anbieter Kleinunternehmen oder kleinere Mittelständler sind.
Die Zukunft in diesem Marktsegment dürfte damit wohl eher in Richtung „Customization“ als in Richtung „Mass“ gehen. Aber das sollte ideenreiche Gründer nicht entmutigen: Customization ist eine Bereicherung für den eCommerce, erschließt neue Zielgruppen und bietet die Möglichkeit, sich in einer Marktnische erfolgreich zu etablieren. Erfolg definiert sich dabei nicht durch Größe, sondern durch ein nachhaltig profitables Geschäftsmodell.

Simon Köhler ist Geschäftsführer der Agentur Conpark und Mitherausgeber der eCommerce Lounge. Er beschäftigt sich vorrangig mit Trends aus dem Bereich eCommerce, Social Commerce, Social Media und Corporate Blogs.
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