Kassenbelege jederzeit digital abrufbar und online verwalten – mit diesem Konzept versucht das Unternehmen NuBON eine Brücke zwischen stationärem Handel, eCommerce und Mobile Commerce zu schlagen. Große Händler wie Deichmann, Görtz und Snipes sind beim Start in Deutschland dabei und spekulieren auf einen großen Datenschatz über das Einkaufsverhalten der eigenen Kunden.

Kassenbelege online verwalten

Mit Hilfe der NuBON-App kommen Kassenbons digital auf das Smartphone bzw. Tablet oder per Browser-Portal auf den heimischen Computer. Quittungen können also nicht mehr verloren gehen, sondern werden komfortabel über ein Portal verwaltet. Das Konzept geht jedoch über die einfache Quittung hinaus. Beispielsweise wird das Smartphone dank QR-Codes- und Near-Field-Communications (NFC) auch zum mobilen Geldbeutel. Weiterhin sollen Kunden über die App Coupons einlösen und Treuepunkte sammeln können. Für Kunden sind sämtliche Services laut Angaben des Unternehmens übrigens kostenlos. NuBON finanziert sich ausschließlich über die kostenpflichtigen Services für Händler.


Sämtliche Kassenbelege bequem auf dem Ipad verwatelten – So soll es mit NuBON aussehen

Neue Möglichkeiten im Multi-Channel Marketing?

Auf Händlerseite entstehen Mehrwerte durch die gezielte Austeuerung von Marketingmaßnahmen über verschiedene Kanäle – von Advertising über Social-Media-Integration bis hin zu Mobile Couponing und digitaler Kundenkarte soll alles möglich sein. So plant NuBON „auf einzigartige Weise die drei Verkaufskanäle stationärer Handel, eCommerce und Mobile Commerce zu kombinieren“. Zudem verspricht die Idee, dank integrierter NuBON-Cloud, einen Datenpool, welcher neue Möglichkeiten im Multichannel-Marketing aufzeigt.

Stand heute hinterlegen Unternehmen Daten aus Kassenbons, Nutzerprofilen, dem Webshop oder Informationen aus dem Warenwirtschaftssystem meist in verschiedenen Datenbanken. NuBON versucht diese unterschiedlichen Quellen in der NuBON Cloud zu sammeln und aufzubereiten. Auf die Daten haben sowohl Händler, als Ihre Werbepartner freien Zugriff. So sollen „neue Rückschlüsse auf Einkaufsgewohnheiten, Vorlieben und Konsumverhalten von Kunden“ entstehen. Zudem „lassen sich genaue Analysen zu Einkaufsstätten, Regionen, Warengruppen-, sowie Marken-und Artikelebene erstellen“. Zudem bietet sich die Möglichkeit personalisierter Werbung. Betrachtet man die immense Menge an Daten, welche so zusammenkommen und integriert werden, so könnte der potentielle Datenpool von NuBON rasch mit dem der GfK Panel Services mithalten – und wird mit jedem Einkauf eines Kunden größer und umfangreicher.

Herausforderung Partnernetzwerk

Laut NuBON werden ab 2013 zahlreiche Händler die Bezahlung per App samt digitalem Kassenbon anbieten, unter anderem Deichmann, Görtz und Snipes. Derzeit beschränken sich die Partner aber vorwiegend auf die Mode und Textilbranche. Für Händler bieten die Kassenanbieter ETHALON, Ratio und Torex Retail Solutions bereits Schnittstelle zu NuBON an.

Ob sich das Konzept am Markt etablieren kann hängt zweifelsohne von einem starken Partnernetzwerk auf Händlerseite ab. Nur wenn es dem Unternehmen gelingt eine Vielfalt von Retailern ins Boot zu holen, kann sich auch ein wachsender Kundenstamm auf Nutzerseite entwickeln. Die große Herausforderung wird sein, Anbieter- und Nutzerstamm gleichermaßen wachsen zu lassen. Schließlich nutzt es den Kunden nicht, wenn nur einige wenige Händler zur Auswahl stehen bei denen der Service genutzt werden kann. Die Händler hingegen haben nichts davon neue und teure Systeme einzuführen, die kaum von Kunden in Anspruch genommen werden.

Fazit: Das Potential ist da, Hürden aber auch!

In einer Welt in der Smartphones mittlerweile zum Alltag gehören hat die Idee definitiv Potential – sofern das Unternehmen in der Lage sein wird mehr und mehr Händler und somit auch Verbraucher des Services für sich zu gewinnen. Der Datenpool verspricht für Händler aber verlockende Markt-Einblicke und birgt ein umfangreiches Reservoir an Multi-Channel-Möglichkeiten. Von essentieller Bedeutung wird jedoch sein, die verschiedenen Services wie Mobile Payment, Mobile Couponing, digitale Kundenkarte, sowie Social-Media Schnittstelle und Werbemöglichkeiten effektiv zu vereinen, um so Mehrwerte für Kunden und Händler zu schaffen. Das Grundprinzip aber überzeugt und wir sind gespannt auf einen ausführlichen Test zur Markt-Einführung 2013.

ist Redakteur der eCommerceLounge und freier Mitarbeiter der Adrian Hotz E-Commerce Beratung. Er beschäftigt sich mit den Themengebieten E- und M-Commerce, sowie Social Media. Aktuell studiert er an der Universitat Pompeu Fabra in Barcelona mit dem Studienziel M.Sc in International Business.

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