Multichannel – dies war der über allem schwebende Begriff auf der Konferenz des Future Commerce Summit am 29. Juni in Hamburg. Das verwundert kaum, denn viele der Referenten kommen aus Unternehmen, die mindestens zwei Vertriebskanäle nutzen. Darüber hinaus gab es bei der von Kongress Media durchgeführten Veranstaltung im Hotel east in St. Pauli viele Best Practice Beispiele und einen Ausblick auf Trends und Entwicklungen für das E-Commerce 2015.

Prof. Dr. Klaus Gutknecht, Professor für Handels-, Dienstleistungs- und Electronic-Marketing von der Hochschule für angewandte Wissenschaften München hielt die Keynote und gab den Tipp an die Zuhörer, sich die Geschäftsberichte der führenden E-Commerce-Händler anzusehen. Dort finde man Hinweise, auf welche Trends die Großen der Branche in Zukunft setzen würden.

In Bezug auf die Herausforderungen des Multichannels wies Gutknecht darauf hin, dass das größte Problem in der Praxis oftmals die Preisdifferenzen der verschiedenen Vertriebskanäle sei. Bei verschiedenen Preisen in Filialen und im Online Shop werde schnell der Konsument verärgert: „Ich kann nicht davon ausgehen, dass der Konsument Marketingaktivitäten nicht durchschaut“, so Gutknecht.

Dr. Matthias Häsel, Teamleiter Innovation & Synergy Management bei der Otto Group, gab anschließend einen sehr interessanten Einblick in die Projekte des Otto Group E-Commerce Innovation Lab. Zum einen teste man gerade die Shop-Suche auf der Basis von Bildern unter Berücksichtigung von Faktoren wie Farbe, Form und Muster. Zum anderen läuft gerade ein Pilotprojekt mit der virtuellen Anprobe. Die Kleidung wird dabei auf einen Torso-Roboter gezogen, der zahlreiche Passformen simuliert. So sieht der Kunde bereits im Online Shop, wie das Kleidungsstück am eigenen Körper aussehen wird und erhält dazu die passende Größenempfehlung zur Bestellung.

Spannend war auch die Diskussion über das Interesse von Usern am Einkauf in einem Facebook-Shop. Denn während der Vorträge zu diesem Thema wurde offensichtlich, dass der so genannte „F-Commerce“ für die meisten Händler noch nicht wirklich ertragreich ist. Und so ergab sich die Frage, ob die wenigen Erfolge, die Facebook-Shops aufzuweisen haben, nicht vielmehr der Tatsache geschuldet ist, dass es nur dort einen speziellen Rabatt oder ein exklusives Angebot gibt. Leider hatte keiner der Referenten dazu empirische Daten zu bieten und so konnte die Frage auch nicht beantwortet werden.

Für unterhaltsame Beispiele aus der Praxis sorgte Malte Polzin, CEO der Brack Electronics AG, zu der auch die schweizer Liveshopping-Plattform daydeal.ch angehört. Das Team von Daydeal wartet immer wieder mit tollen Online- und Offline-Aktionen auf, die eine starke Bindung zum Kunden aufbauen. Genau das, was viele im Bereich Social Marketing verzweifelt und oft erfolglos über die Plattform Facebook versuchen.

Daydeal lebt dabei von der Interaktion mit dem Kunden, geht mit einigen von ihnen mit einem zuvor erworbenen Deal-Produkt im Park spielen, führt einen Racing Day für Käufer eines Pocket Bikes durch, weil diese nicht auf der Straße zugelassen sind und verkauft einen Deal für 30 Schweizer Franken, ohne dass der Käufer weiß, wofür er gerade sein Geld ausgegeben hat. Mit großem Erfolg. So viel Trust von Kundenseite aus ist beeindruckend und brachte dem Unternehmen die Marketing-Trophy 2011 ein.

Gegen Ende des Future Commerce Summit kam Christoph Lodde, Geschäftsführer Marketing, Sales uns E-Commerce a.I. von Neckermann.com noch einmal auf eine für alle bekannte Blackbox zu sprechen: die Customer Journey. Momentan lautet die Praxis: Last Cookie wins. Die Folge: Die Werbemittel, die sehr wohl zur Conversion beigetragen haben, aber nicht den letzten Cookie gesetzt haben, werden im Budget herabgesetzt, weil der Kauf nur dem letzten Kontakt zugeordnet werden kann. „Wenn ich aber nur am letzten Schritt optimiere, ist das zu kurzsichtig gedacht“, warnt Lodde. Die Lösung von Neckermann für dieses Problem sah schließlich so aus, dass sie einen eigenen Ad-Server-Park aufgebaut haben und Cookies einsetzen, die alle Kundenkontakte übermitteln. So kann analysiert werden, welche Werbemittel Anteil an einer Conversion haben.

Als Fazit des Summits lässt sich festhalten, dass Multichannel für alle, die es nutzen (können), das größte Wachstum bereithält, dass vertikale Shops mit speziellem Warenangebot boomen werden und dass erfolgreicher E-Commerce zukünftig die Attribute mobile, social, local beinhalten müssen.

ist seit 2010 im Online Marketing tätig, betreut als Head of SEA bei der Second Elements GmbH & Co KG aus Hamburg vornehmlich mittelständische Kunden und ist für die strategische Ausrichtung dieses Bereichs genau so zuständig wie für Marketing und Vertrieb.

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