Kinosessel, Popcorn und ein unterhaltsames Programm – der Rahmen für die Online Marketing Capital (OMCap) am 13. Oktober im Kosmos Berlin war ideal, um das Neueste aus dem Online Marketing zu erfahren  – oder auch, um den ein oder anderen Tipp zur Optimierung mitzunehmen. In drei Themengebiete hatte Veranstalter Andre Alpar das Programm unterteilt: SEO, SEA und einen allgemein gefassten Block.

Sichtlich wohl fühlten sich Christoph Burseg und Marcus Tandler in diesem Kino-Umfeld und begeisterten einen prall gefüllten Kinosaal mit ihrem Ausblick auf Search 2012. Das gelang ihnen mit schmissigen Sätzen wie: „Google möchte einfach jeden an das Traffic-Heroin hängen“ (Burseg), aber auch mit kritischen Blicken hinter die Kulissen des Suchriesen. Tandler beispielsweise sieht Google auf dem Weg zu einem Affiliate, der unter dem Deckmantel von Google Panda Konkurrenten wie idealo aus dem Weg räumt.

Beide Referenten waren sich einig, dass Links out sind und social signals ihnen den Rang als Rankingfaktor ablaufen werden. Das läge daran, so Tandler, dass die Website-Empfehlungen, die aus den sozialen Netzwerken kommen, ehrlicher und verlässlicher seien als Links, von denen mittlerweile jeder weiß, dass damit Manipulation betrieben wird. „Google lernt gerade, wie ein User sich in einem sozialen Umfeld bewegt. Damit wird Spam enthüllt“. Denn niemand, der in einem sozialen Netzwerk schlechte Seiten shared oder liked, habe damit Erfolg, so Tandler weiter. Das Fazit lautete letztlich: Google ist weiterhin darum bemüht, das beste Ergebnis für den Suchenden zu liefern und ihn mit so wenigen Klicks wie möglich zum Ziel zu führen.

Eine sehr spannende Diskussion auf hohem Niveau entwickelte sich unter der Leitung von Michael Pietsch von zanox zum Thema „Retargeting auf CPC Basis vs. CPO auf postview Basis“. Im Duell: Robert Lang, Geschäftsführer von Criteo und Vertreter des Retargetings auf CPC Basis und Philipp Westermeyer, Geschäftsführer bei adyard, Verfechter des postview. Westermeyer erklärte, dass er und sein Team bis heute gegen die Vorurteile kämpfen müssen, die gegen die Abrechnung auf postview-Basis bestehen. So zum Beispiel der Vorwurf des Cookie-Droppings. Andererseits habe man damit zu kämpfen, dass viele User regelmäßig ihre Cookies löschten und damit seinem Unternehmen viel Geld durch die Finger gleitet. Lang hingegen machte Werbung in eigener Sache und berichtete davon, dass über 50% der Retargeting-Käufer Produkte erwerben, die sie sich nie zuvor im Shop angesehen hatten. Eine beeindruckende Zahl und damit ein gutes Argument für Shop-Betreiber, sich mit dem Thema Remarketing zu beschäftigen.

Eine weitere spannende Gegenüberstellung hatte der Veranstalter mit den Referenten Karl Kratz von Karl Kratz Onlinemarketing und Lennart Paulsen, Geschäftsführer der Trakken Web Services GmbH, gewählt. Hierbei ging es um die Conversion-Optimierung und zwei grundsätzlich verschiedene Ansätze dazu. Kratz bevorzugt die Variante, die auf Qualität setzt. Dabei zerlegt er die Konversionskette in ihre einzelnen Glieder und beginnt mit Hilfe verschiedener Fragestellungen die Kettenglieder neu zu ordnen. Welchen Wert hat dieser Schritt? Welche Wechselwirkung ergibt sich daraus? Und welche Emotionen sind notwendig, um an einer bestimmten Stelle den Kunden richtig anzusprechen?

Paulsen hingegen setzt auf Quantität. Seine Maxime: Kosten sparen. „Wenn ich könnte, würde ich 100 verschiedene Varianten der Startseite testen. Dann ist die Chance hoch, dass davon eine Variante besser funktioniert als die jetzige Startseite“, so Paulsen. Da das aber oft den finanziellen und zeitlichen Rahmen sprengen würde, setzt er auf eine andere Methode. Zunächst gehe es darum, sich zu überlegen, wo die größten Hebel für die Conversion sind. Das ist in vielen Fällen ein Formular. Und danach sei es wichtig, möglichst viele User in diese Formular zu locken, das letztlich zur Conversion führt, zum Beispiel der Anforderung eines Angebots oder die Registrierung für ein Spiel. In Website-Beispielen, die Paulsen dazu präsentierte, wurde deutlich, dass Landingpages mit seinem Ansatz sehr auf den Call-to-Action fokusiert sind und alles was davon ablenken könnte, wegfällt.

Alles in allem hat die OMCap 2011 besonders durch ihre Vielfältigkeit überzeugt. Die Themen waren gut gesetzt, die Diskussionen in den einzelnen Panels kontrovers und anregend und die Location gut gewählt. So kann es gerne weitergehen!

ist seit 2010 im Online Marketing tätig, betreut als Head of SEA bei der Second Elements GmbH & Co KG aus Hamburg vornehmlich mittelständische Kunden und ist für die strategische Ausrichtung dieses Bereichs genau so zuständig wie für Marketing und Vertrieb.

  • Sehr guter Recap über das OMCap :-) Ich konnte leider nicht selbst vor Ort sein, da mein Auto mich zum ersten mal im Stich gelassen hat und mein Ticket somit leider im Papierkorb gelandet ist…

    Die Aussage das soziale Signale immer mehr im kommen sind, finde ich sehr gut, entsprechen absolut meiner Meinung und deshalb möchte ich kurz auf dieses neue kleine Tool aufmerksam machen: http://www.socialsignals.de/ ist ein kostenloses Social-Media Tool, um die sozialen Signale einer URL oder Domain sichtbar zu machen. Vielleicht hilft das ja dem ein oder anderen, um sich und seine Projekte zu dem Thema zu durchleuchten.

    Viele Grüße aus Leipzig, André

  • Pingback: Rückblick auf die OMCap 2011 | OMCap 2015()

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