Berichte aus den USA über einen Ausbau des Logistiknetzwerkes von Amazon, sowie eine fast zeitgleiche Ankündigungen seitens Ebay und Google als Zwischenhändler den Same Day Delivery Markt aufzumischen, haben die Diskussion um das Thema „heute bestellt, heute geliefert“ auch hierzulande neu entfacht.

Nach Bekanntgabe der ambitionierten Pläne von Amazon, Ebay und Google wird in den USA bereits über einen Großangriff der Big Player im E-Commerce auf den lokalen Einzelhandel spekuliert. Reizthema ist hierbei der massive Ausbau der Infrastruktur für den Same Day Delivery Service durch Amazon und Logistik-Zwischenhändler. Doch wie steht es um das Thema eigentlich in hierzulande? Muss sich der stationäre Einzelhandel in Deutschland auf eine neue Zeitrechnung gefasst machen?

Der Stauts Quo: Amazon, Selbstabholer und viel Zukunftsmusik

Amazon bietet in Großstädten und Ballungsräumen bereits die Möglichkeit des Evening Express, bei dem man eine große Anzahl von Artikeln noch am selben Tag zwischen 18 Uhr und 21 Uhr per Deutsche Post DHL oder Stadtbote zugestellt bekommt. Mit diesem Modell steht Amazon, bis auf wenige Ausnahmen, jedoch noch ziemlich alleine da. Die Zustellung von Bestellungen am Folgetag ist weitgehend der Standard im Express Versand bei deutschen Online-Händlern.

Große Multi-Channel-Händler setzen derweil auf das Click&Collect Prinzip: Ware wird online bestellt und bezahlt, anschließend kann man den Einkauf im stationären Handel, auf Wunsch noch am gleichen Tag, selbst abholen– ohne potentielles Suchen und Einsammeln der gewünschten Ware oder lästiges Anstehen an der Kasse. Click&Collect wurde bereits von # den Metro-Konzern Töchtern Media Markt, Saturn und Kaufhof eingeführt. Anderorts wird das System in Pilotprojekten, wie beispielsweise von Lebensmitteleinzelhändler Rewe oder dem Modehaus C&A getestet.


Click&Collect: Media Markt wirbt im Onlineshop offen für die Selbstabholung

Es ist hierzulande bereits möglich, wenn auch noch nicht flächendeckend, bestellte Ware am selben Tag nach Hause geliefert zu bekommen oder per Click&Collect Prinzip selbst abzuholen. Der infrastrukturelle Ausbau des Amazon Logistik-Netzwerkes deutet darauf hin, dass der Express Versand sich auch in der Fläche weiterentwickeln wird.

Zukunftsmusik hingegen sind Plattformdienstleistungen wie eBay Now oder Google Delivery. Hierbei verstehen sich die Plattformanbieter als Bindeglied zwischen Online-Shopper und stationären Handel, welcher die Zustellung in Zusammenarbeit mit spezialisierten Logistikunternehmen übernimmt. Doch erst nach erfolgreichen Testläufen in richtungsweisenden Märkten wie den USA oder UK wird sich zeigen ob sich die Modelle auch am deutschen Markt etablieren können.

Die Kernfrage: Wird der Service überhaupt nachgefragt?

Die eigentlich spannenden Fragen bei der Debatte um Same-Day-Delivery ranken sich aber um den Verbraucher. Wer braucht diesen Service eigentlich? Für welche Warengruppen und Produkte schafft Same-Day-Delivery echte Mehrwerte? Wie sieht ein typisches „Ich will jetzt bestellen und es heute Abend geliefert bekommen“-Szenario aus?

Auf der einen Seite gibt es Studienergebnisse, dass Verbraucher noch mehr online bestellen würden, wenn die Ware noch am selben Tag zugestellt würde. Auf der anderen Seite jedoch scheint fragwürdig ob internationale Studien zur Nachfrage nach Same-Day-Delivery auf den deutschen Markt und Verbraucher überhaupt übertragbar sind. Schließlich ist der Weg zum Supermarkt oder Elektrofachhändler hierzulande in der Regel deutlich kürzer als beispielsweise in amerikanischen Großstädten – lange Öffnungszeiten inklusive.

Fazit: Keine Revolution, aber weiterer Druck auf die Category Killer

E-Commerce und Logistik Experte Karsten Werner vom Magazin t3n.de geht derweil davon aus, dass Same-Day-Delivery zwar als Nische seinen Weg in den deutschen Online-Handel finden wird, jedoch eine „Revolution“ vorerst ausbleiben wird. Vielmehr sei die Option ein „Lockvogel“ und Element des Marketing Mixes, da es aus logistischer Sicht nach heutigem Stand kaum profitabel betrieben werden kann. Eher geht es darum den Kunden die Grundsatzentscheidung zwischen Online und stationärem Geschäft abzunehmen. Händler die sich in Randbezirken der Städte niedergelassen haben (darunter Category Killer wie Media Markt) und vor allem wegen der „direkten Verfügbarkeit“ aufgesucht werden (z.B. Thalia) werden die Auswirkungen wohl zuerst spüren.

ist Redakteur der eCommerceLounge und freier Mitarbeiter der Adrian Hotz E-Commerce Beratung. Er beschäftigt sich mit den Themengebieten E- und M-Commerce, sowie Social Media. Aktuell studiert er an der Universitat Pompeu Fabra in Barcelona mit dem Studienziel M.Sc in International Business.

  • Wenn man eine Umfrage bei den Shopbetreibern macht, die bei Amazon verkauft, wird man die Frage mit der Nachfrage wohl mit „JA“ beantworten können. Viele Statistiken zeigen auch schon, dass bei einer Lieferbarkeit über 24h mehr Kunden abspringen.

    Eine Revolution ist es sicherlich nicht aber auch hier kann ich mir sehr gut vorstellen, dass dieses Model die Runde macht. Amazon hat die Mittel, um dies wahrscheinlich auch profitabel betreiben zu können, denn wenn andere Unternehmen durch diese Politik zu grunde gehen, ist der Gewinn vorhanden.
    Wobei ich nicht glaube, dass es bei den heutigen Konzernen wie Zalando oder Spreadshirt um profitabel geht. Bei den Investitionen kommt man eher auf den Gedanken, dass hier aufgeplüstert wird, um später einen profitablen Exit haben zu können. Die Zeit wird zeigen, welche Theorien stimmen. :)

  • Natürlich wird Amazon früher oder später dieses Modell auch einführen. Wenn man sich mal ansieht wieviele Käufe bereits über das Internet getätigt werden, ist das nur ein logischer Schritt.

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