Seit ein paar Tagen halten wir es endlich in den Händen: Das iPad! In wenigen Tagen wird es auch in Deutschland zu haben sein und damit sicher viele neue Fans gewinnen. Ganz klar: Das iPad ist Apples neues Baby und wer es bereits in der Hand hatte, wird wohl mit folgendem Satz einverstanden sein: Das iPad revolutioniert das Sofa-Surfing. Und damit stellt sich die spannende Frage, wie das iPad die Zukunft des Online-Handels beeinflussen wird. Anhand einer kleinen Beispiel-Auswahl vorhandener iPad-Shops wollen wir einen kurzen Einblick in die Möglichkeiten geben und im Anschluss gerne Ihre Meinung zum Thema Sofa-Shopping erfahren. Ist das iPad die Shoppinglösung für die ganze Familie? Wie sollten sich Shopbetreiber verhalten?

Hype oder zukünftige Shopping-Lösung? In nur 28 Tagen knackte das iPad alle Rekorde und wurde in den USA bereits über eine Millionen Mal verkauft. Wie verändert sich dadurch der Online-Handel? Diskutieren Sie mit.

Eine Frage des Standpunktes

Um zu verstehen, wie und warum das iPad (und Tablets im Allgemeinen) das Online-Shopping beeinflussen wird, reicht ein Ausflug mit dem selbigen auf die heimische Couch. Die virtuelle Einkaufstour wird damit zum digitalen Erlebnis. Keine Maus oder störendes Touchpad, keine Tastatur, kein Ablegen bzw. Balancieren des 17“-Notebooks auf den Knien. Das iPad integriert sich, es wirkt weder störend noch fremd und lässt sich intuitiv bedienen. Das Ergebnis ist ein positives Shopping-Erlebnis.

(Quelle: Die wirkliche Bedeutung des iPad – Nutzungssituation Sofa)

Ein weiterer Side-Effect des iPads (und dessen fast spielerischer Bedienung) ist die Möglichkeit, neue Nutzergruppen anzusprechen, die vorher weder eine ausgeprägte Internet- bzw. Technik-Affinität vorweisen konnten. Auch Thomas Lang, schweizer eCommerce-Professional, sieht das ähnlich:

„Es ist davon auszugehen, dass viele nicht besonders der Technik zugeneigte Personen mit dem iPad den Zugang zur elektronischen Welt erhalten. Wer Angst vor Maus, Tastatur und Bildschirm-Warnungen hatte, wird womöglich den spielerischen Umgang mit einem iPad schätzen. Und dann braucht es nicht mehr viel Phantasie, dass auch ein kaufkräftigeres Publikum, und in der Schweiz sind die grossen Vermögen v.a. bei der älteren Bevölkerung angesiedelt, den Warenkorb über den Tablet-Touchscreen füllt.“

Die ersten Shops mit eigener iPad-App stehen bereit

Um einen kleinen Einblick in die ersten Shopping-Apps zu geben, hier ein kurzer Auszug in Form von aktuellen Mode-Shops:

Die wohl bisher beste Umsetzung eines Fashion-Stores ist den Machern von Gilt gelungen. Neben der intuitiven Bedienung mittels wischen, drag & drop sowie einer umfassenden Detailseite, bietet die App eine edle Anmutung, die ein echtes Shopping-Erlebnis zulässt:

Auf eine Art Coverflow setzen hingegen die beiden Shops dace und yoox.com und ermöglichen dem Nutzer damit ein stressfreies „Durchstöbern“ der Produkt-Gruppen:

Natürlich handelt es sich bei den Beispielen um erste Gehversuche, die zwar erahnen lassen, in welcher Form das mobile Einkaufen auf iPad & Co aussehen könnte, jedoch längst nicht dessen Potential ausgeschöpft haben. Den Eindruck vom gemütlichen Sofa-Shopping vermitteln sie allerdings schon jetzt.

Auch Amazon ist für den amerikanischen iPad-Kunden bereits als App vorhanden:

 

 

Eine Frage der Anpassung

Neben der Möglichkeit den Online-Shop via eigenständiger App auf das iPhone zu bringen, besteht natürlich auch die Option einer sogenannten „Web-App“ – einer auf das iPad angepassten Darstellung.

In diesem Zusammenhang wurde bereits der Bademoden & Dessous Shop Lascana mehrfach verlinkt. Dieser kommt mit der iPad-Auflösung von 1024*768 Pixeln sehr gut zurecht und zeigt eingebettete Videos dank YouTube auch ohne Flash korrekt an.

 

 

Doch auch im genannten Beispiel lassen sich noch einige Dinge verbessern:

  • Verzicht von Flash in allen Bereichen (Bikini-Konfigurator, siehe Bild)
  • Größere Buttons zur besseren Treffsicherheit
  • Eigenes Bookmark-Icon für den Home-Screen
  • Einbindung entsprechender Touch Frameworks wie jQuery touch oder Sproutcore zur Gesten-Steuerung
  • usw.

Die Zukunft des Tablet-Shoppings

Das iPad ist nur der Vorbote einer ganzen Tablet-Welle, wie erwähnt wird das Jahr 2010 wohl das Jahr von iPad, WePad, Slate & Co. Doch wie sollten sich Shopbetreiber verhalten? Die Anpassung der eigenen Online-Inhalte bzw. -Anzeige dürfte für viele Shops Arbeit genug sein – dann noch eine eigene App?

Die Online Marketing Agentur eprofessional macht besonders auf folgende Punkte aufmerksam und schätzt, dass ca. 40% der Webseiten noch nicht auf die Nutzung per iPad vorbereitet sind:

1.Verzichten Sie auf Flash, denn Flash wird vom iPad nicht unterstützt.

2. Stellen Sie sicher, dass Ihre Website unter keinen Umständen länger als 20 Sekunden braucht, um über UMTS geladen zu werden

3. Optimieren Sie Ihre Website für eine Bildschirmauflösung von 768 x 1024 Pixel.

4. Prüfen Sie, ob die Usability auch auf einen Tablet-PC abzielt. Lassen sich etwa Produkte auch mit dem Finger in den Warenkorb ziehen?

5. Sind Links und Navigationselemente so gestaltet, dass man sie mit einem normal großen Zeigefinger sicher trifft?

6. Kann die Website im Hintergrund geladen (gecached) werden und bleibt dort bestehen? So dass man auch vorübergehend ohne WLAN-Verbindung weiter navigieren kann?

7. Läuft Ihre Website fehlerfrei auf den Browsern Safari und Opera?

Viel Arbeit also für Shopbetreiber – und Web-Agenturen.

Wie ist Ihre Meinung?

In wenigen Tagen werden wir sehen, wie die deutschen Kunden das iPad annehmen werden. In Anbetracht des vergleichbaren iPhone-Starts im Jahe 2007 darf man allerdings davon ausgehen, dass Apple auch hierzulande einen echten Erfolg feiern wird. Was bedeutet das für Käufer und Shopbetreiber?

Das iPad als neues Shopping-Gate? Nutzen Sie unsere Kommentarfunktion und diskutieren Sie mit. Wir freuen uns auf eine regen Austausch.

Shopgate – Mobile Shopping Leader

leitet das Product Management beim führenden Mobile Commerce Anbieter Shopgate. Vorher war Alexander Köhler viele Jahre Geschäftsführer der eCommerce-Agentur Conpark. Er beschäftigt sich vorrangig mit Trends und neuen Geschäftsmodellen im eCommerce, allem voran Mobile Commerce. Alexander Köhler ist zudem Mitgründer und -herausgeber der eCommerce Lounge.

  • Philipp

    Ich gebe überhaupt nichts auf den Hype. Die nächsten Jahre wird sich das beim Online-Handel zumindest in Deutschland sehr wenig bemerkbar machen. Das iPad wird weder den Verlagen zu neuen Höhenflügen verhelfen, noch wird es den Online-Markt beflügeln. Wer ist überhaupt die Zielgruppe des iPads? Ich sehe keinen Mehrwert für mich und kann nicht ganz verstehen für wen es sonst überhaupt gedacht ist und wer all die Leute sind, die dieses Gerät kaufen.

  • Naja, von einer Web-App zu sprechen, nur weil eine Seite in Safari auf dem iPad aufgerufen wird, ist schon etwas weit hergeholt…

    Ansonsten dürften sich eigenständige Apps für jeden dahergelaufenen Nischenshop eher nicht durchsetzen. Bei Allesverramschern a la Amazon sehe ich da schon eher Chancen.

  • Das iPad ist ein schönes Spielzeug! Es hat, meiner Meinung nach, nicht das Potenzial den Online-Handel zu (R)evolutionieren. Die Bereiche Mobile-Commerce und Augmented Reality (siehe z.B. http://digg.com/u1ZnDy) werden einen wesentlich stärkeren Einfluss haben. Hier Bieten sich Möglichkeiten von denen wir vor ein paar Jahren nur träumen konnten. Bequemes surfen sieht für mich als Heavy User anders aus. Hier nutze ich lieber einen PC mit großem Bildschirm oder einen Laptop, die es mittlerweile auch mit guten Touchscreens gibt.

  • Ich glaub auch nicht an eine Revoltuion des Onlinehandels. Aber ich benutz liebend gern die iPhone Apps von Ebay und Amazon auf meinem iPhone. Die Apps sind auf jeden Fall super praktisch !

  • Hi Matt,

    die „Web-App“ bezog sich nicht unmittelbar auf Lascana, sondern auf die generelle Möglichkeit eine solche Anzeige anzubieten. Im Verlauf gibt es ja noch ein paar Hinweise, wie man eine solche Web-App gestalten kann (jQ touch, Sproutcore usw.).

    Viele Grüße,
    Alexander Köhler

  • Marc

    Nur zur Info: Das WePad heißt jetzt WeTab und das hp Slate wird nicht weiter entwickelt und somit nicht (in dieser Form) auf dem Markt kommen.

  • Der hype um das iPad halte ich auch für ziemlich überzogen. Eine App für jeden shop halte ich für unnütz. Mit der Zeit wird man sich als shop Betreiber wohl darauf einstellen müssen, aber ich glaube nicht, daß das die nächsten ein, zwei Jahre für jeden Relevant wird…

  • Volker Schmidt

    Ich denke man sollte sich nicht so sehr auf das iPad fest legen. Apple erfindet nicht die Internet Welt neu, sie verändern mit dem iPad die Möglichkeiten wie man mit dem Internet umgeht. Ich denke da nur an die Möglichkeiten von Cooliris (www.cooliris.com) und wie man damit auf dem iPad durch das Web surfen kann. Schon jetzt am PC/Mac macht das unglaublich viel Spass und hat man damit erst einmal eine Weile gearbeitet, dann möchte man es gar nicht mehr weg legen.

    Ich finde als Bottom-Line recht gelungen: Nicht das iPad revolutioniert den Markt, sondern die Anwendungsmöglichkeiten welche daraus hervor gehen.

    Wired Magazin hat das ganze in einem schönen Entwicklungsstadium zusammen gefasst: http://link.brightcove.com/services/player/bcpid1813626064?bctid=66775419001
    Damit zeigen Sie, was es alles an Möglichkeiten für die Verlagsindustrie gibt und wie Zeitungen in Zukunft aussehen könnten.

    Es wird in Zukunft immer den Zeitungsstand am Eck geben, es wird immer Bücher geben. Es wird aber auch immer Early Adopters geben, die sich mit neuen Technologien eher beschäftigen und somit die Entwicklung weiter voran treiben.

    Das iPad wird die Nutzung des Internets verändern. Aber nicht weil es ein iPad ist, sondern weil es Anwendungsmöglichkeiten bietet, die nun Massentauglich sein. iPad’s gibt es schon seit Jahren – diese wurden bisher für militärische oder forschende Zwecke verwenden. Einen großen Bildschirm auf dem Inhalte verschoben werden können wie in Minority Report (http://www.boxofmovies.com/wp-content/uploads/2008/09/minority-report-ui.jpg) gibt es schon lange. Mir ist nur grad die Firma entfallen :).

    Bg,
    Volker Schmidt

  • Also nach einem Monat IPAD-SOFA-SURFEN, bin ich begeistert von den Möglichkeiten: Das Ipad hat den Anfang gemacht und es werden noch viele viele Notepads oder Webpads folgen.
    Das spricht dafür:
    1.) lange Akkulaufzeit
    2.) immer Online
    3.) schnelle Recherche
    4.) super leicht zu transportieren

    Das mache ich mit dem Ipad:
    – Rezepte suchen und kochen. (Speicherung der Rezepte einfach per Screenshot)
    – schnell mal die Umsatzszahlen checken.
    – Nachrichten ansehen, beim ersten Kaffee am Morgen, Ohne einen riesigen Bildschirm vor der Nase (oder der anderen Nase)
    – Skizzen mit sketchbook Pro. Das ist wirklich genial. (Malen, schreiben, Skizze)
    – Bei Amazon schnell mal was bestellen.
    – Eine Mindmap erstellen
    – Mittlerweile hat das Ipad sich als Konkurrenz zu meinem Moleskine Büchlein etabliert.

    Und diesen Kommentar per Ipad schreiben. (Ok mit externer superleichten Blutooth Tastatur)

    Ach ja. Wer ein Ipad hat kann sich auch gerne mal unsere Seite auf dem Ipad ansehen . Einfach auf meinen Name klicken. Für Feedbacks bin ich dankbar. Dies Seite ist ohne Anpassung an das Ipad entstanden. (Einfach TOP HTML = GANZ GANZ WICHTIG)

    Also wir werden mal sehen, was das SOFA-IPAD-WEB-PAD Zeitalter so interessante E-Commerce Aspekte bringen wird.

    Gruß vom Sofa

  • Das iPad ist sicherlich ein Vorreiter und durch das „i“ als Hypepotenzial geeignet. Typisch ist, dass hier Apple durch seine Marktmacht eine bessere Lösung: Notion Ink Adam in den Schatten stellt. Wenn man die (wenigen) Tests sucht und findet und liest ;-) stellt man fest, dass die bessere Lösung aus Indien kommt :-)

    Gruß

  • Tolles Szenario, wie Einkaufserlebnis durch Riesen-iPads/ Tablets bereichert werden können, zeigt die Video-Studie von cisco. Dazu einfach mal bei youtube „the future of shopping“ suchen. sehr spannend!! aber vielleicht funktioniert ja auch der link hier: http://www.youtube.com/watch?v=jDi0FNcaock
    So würde es doch richtig Spaß machen!

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