Nein, Österreicher wollen Sie nicht betrügen oder über den Tisch ziehen. Sie müssen jedoch trotz der gemeinsamen Sprache andere Hindernisse beachten, wenn Sie über Ihren deutschen Onlineshop Konsumgüter verkaufen. Einen großen Stolperstein kann z.B. die österreichische Umsatzsteuer von 20% darstellen.

Häufig treffe ich Onlinehändler, die mir stolz erzählen, dass sie stets mehr Umsatz in Österreich erzielen. Das ist natürlich fantastisch. Österreich verzeichnet ein Wirtschaftswachstum im Bereich E-Commerce von ca. 15% und das Vertrauen in den Onlinehandel wächst. Des Weiteren ist das Land natürlich auch sprachlich interessant für deutsche Onlineshophändler. Eine Übersetzung des Onlineshop wird hinfällig. Zusammengefasst: Ein (scheinbar) einfach zu erreichender Markt mit ca. 8,4 Millionen potentiellen Kunden ist zum Greifen nah.

Wo liegt die Gefahr?

Für die Lieferung von Waren oder Dienste an Verbraucher ins europäischen Ausland (und natürlich auch für Österreich) gelten sogenannte Umsatzsteuer-Schwellenbeträge. Bei einem jährlichen Netto-Umsatz von über 35.000,- der durch den Verkauf an den österreichischen Endkonsumenten erzielt wurde, müssen Sie Ihre Mehrwertsteuer in Österreich abführen. Hierfür benötigen Sie eine österreichische Umsatzsteuernummer. Dies wäre für Sie keine Hürde? Dann lesen Sie weiter…

20 Prozent Umsatzsteuer statt 19 Prozent MwSt.

Wie sieht es dann mit dem Umsatzsteuersatz aus? Wenn Sie grundsätzlich 19% MwSt. an Ihre österreichischen Kunden weiterberechnen, kann dies erhebliche Folgen haben, denn der Steuersatz liegt in Österreich bei 20 %. Nur die Gemeinden Jungholz (Tirol) und Mittelberg (Voralberg) haben einen ermäßigten Steuersatz, da diese zollrechtlich zu Deutschland gehören. Bei Kontrollen durch das deutsche oder österreichische Finanzamt machen Sie somit 1% Verlust. Deutschland ist verpflichtet andere ausländische Umsätze an andere EU-Länder weiterzugeben und umgekehrt.

Jährlicher Umsatz

Dieser Schwellenbetrag gilt pro Jahr. Falls Sie noch nie über diesen Grenzbetrag gekommen sind, müssen Sie sich keine Sorgen machen. Wenn Sie jedoch einmal diesen Schwellenbetrag überschreiten gilt: Einmal Steuern in Österreich abgegeben, werden Sie dies auch zukünftig tun müssen. Bereiten Sie sich gut auf den österreichischen Markt vor und fragen Sie rechtzeitig Ihre Umsatzsteueridentifikationsnummer an. Vorsicht ist besser als Nachsicht.

Tipp:

Österreich zählt zum deutschen Sprachgebiet, doch unterscheiden sich Kultur, Sprache und Gepflogenheiten beim Onlineeinkauf. Achten Sie darauf Ihrem Shop eine österreichische Ausstrahlung zu verleihen, diese spiegelt sich nicht nur am Design, der lokalen Adresse und Telefonnummer, sowie an den lokalen Zahlungsmöglichkeiten wider, sondern auch am Kundenservice.

ist Country Manager DACH bei Salesupply Deutschland und damit verantwortlich für den gesamtdeutschen Sprachraum inkl. Österreich und die Schweiz. Als Vorstandsmitglied und CMO bei der Salesupply AG in Schaffhausen/Schweiz ist er außerdem zuständig für das gesamte Marketing des Salesupply Networks weltweit.

Conversion & Usability, Online-Marketing

SEO und Conversion-Optimierung: (k)ein Dream-Team?

Jörg Dennis Krüger •

Recht

E-Commerce-Recht – Rückblick auf den Monat Oktober 2014

Rolf Albrecht •