Aus Sicht der Online-Händler ist die Sachlage klar: Die Bezahlung per Vorkasse ist eine der beliebtesten Zahlungsmöglichkeiten überhaupt und wird, laut Studie des E-Commerce-Center Handel (ECC Handel), der Fachhochschule Frankfurt am Main, Paysys Consultancy und Fiveforces, von rund 86 Prozent der Befragten Shopbetreiber angeboten. Auf Kundenseite sieht die Welt da schon ganz anders aus. Demnach ist die Vorkasse weit weniger beliebt und landet in der Bewertung auf dem letzten Platz.

Bleibt die Frage, ob Händler und Kunden nicht längst von der üblichen Vorkasse abrücken – und ob die „neue“ Art der Vorkasse die alte nicht bald ablösen wird. Zu beider Seiten Vorteil.

Schlechte Conversion durch „unbequeme“ Zahlungsoptionen

Laut der IZH5-Studie zahlen zwar noch rund 31 Prozent der Kunden per Vorkasse, der Trend ist jedoch rückläufig und öffnet sich mehr und mehr den alternativen Zahlungsmöglichkeiten. Im Allgemeinen dürfte auch klar sein, warum Kunden im Online-Handel keine Vorkasse im eigentlichen Sinne präferieren: Unnötige Wartezeit! Denn klar ist auch, dass der Online-Händler erst auf den Zahlungseingang warten muss. Damit erhöhen sich zum einen natürlich die Lieferzeiten und zum anderen die administrativen Schritte für den Shopbetreiber. Gerade für kleine Shops ist diese Tatsache oftmals mit viel (unnötiger) Arbeit verbunden. Da aber gerade die Kleinen bei Nichtzahlung schnell in finanzielle Schwierigkeiten geraten können, bleibt die herkömmliche Vorkasse noch immer eine beliebte Zahlungsoption. Hinzu kommt oftmals mangelndes Kundenvertrauen bei ausschließlicher Vorkasse-Zahlung gegenüber dem Shop. Eine perfekte Bezahlung sieht anders aus – für beide Seiten. Soweit zur „altbekannten“ Vorkasse. Doch was gibt es tatsächlich für Alternativen?

Neben der Nachnahme-Option besteht für den Online-Händler natürlich auch die Option des Rechnungskaufs, weniger beliebt bei den Shopbetreibern, dafür aber höher im Kurs bei den Kunden. Bei beiden Möglichkeiten fallen ebenfalls weitere Bearbeitungsschritte an, im Falle des Rechnungskaufs entsteht zudem ein hohes Ausfallrisiko. Auch der Kunde muss entweder einen Preisaufschlag in Kauf nehmen (Nachnahme-Gebühr) oder nach Erhalt der Ware das Geld überweisen, ein zu vermeidender Arbeitsschritt. Perfekte Zahlmethoden? Wieder nix.. Andere Alternativen?

Wenn man ganz genau sein möchte, bleibt es dabei – mehr gibt es nicht. Denn auch die alternativen Bezahlsysteme wie Kreditkarte, Sofortüberweisung.de, ClickandBuy, PayPal oder Giropay sind nichts weiter als Vorkasse – wenn auch nicht im umgangssprachlichen Sinne. Und genau hier liegt die Zukunft!

Auf dem Weg zur perfekten Zahlmethode im Online-Handel, sollte man sich ein paar Fakten vor Augen halten:

Der Kunde…

  • möchte eine unkomplizierte Zahlungsabwicklung
  • ist bereit in Vorkasse zu gehen
  • nutzt vermehrt alternative Bezahlsysteme

Der Online-Händler…

  • möchte wenig Arbeitsaufwand
  • benötigt Sicherheit vor Zahlungsausfällen
  • präferiert niedrige Kosten
  • benötigt eine hohe Akzeptanz

Wenn man sich dazu die Zahlen anschaut, wie der Umsatz der verschiedenen Bezahlsysteme in Prozent verteilt ist, ergibt sich ein klarer Trend:

Schon jetzt nutzen 27,9 Prozent der Kunden die sogenannten „alternativen Bezahlsysteme“, alleine die Online-Bezahlverfahren konnten seit 2005 ein Plus von 11,4 Prozent erreichen. Der Anteil der üblichen Vorkasse-Bestellungen ist hingegen rückläufig und verlor im Zeitraum 2005 bis 2009 rund 4,4 Prozentpunkte auf 31 Prozent. Klar eingebrochen, und in Bezug auf die Mehrkosten absolut verständlich, ist die Zahlung per Nachnahme. Diese halbierte sich nahezu von 10,6 auf 5,5 Prozent.

Laut Studie sind einige Online-Händler überzeugt, dass der Einsatz neuer Zahlungsverfahren (zusätzlich zu den klassischen) die Umsätze im eCommerce um teilweise mehr als 10 Prozent steigern können. Wichtige Punkte sind dabei die einfache Nutzung durch den Kunden, wenn möglich ohne eine Registrierung, eine hohe Akzeptanz des Zahlverfahrens, um eine möglichst breite Käuferschicht anzusprechen und natürlich die Sicherheit und damit das Vertrauen gegenüber dem Online-Shop.

Vorkasse bleibt bestehen – vorerst

Die Vorkasse wird noch eine ganze Weile zu den meißtgenutzten Bezahlverfahren gehören und sollte damit in keinem Online-Shop fehlen. Guckt man sich jedoch den Trend, hin zu den Online-Bezahlverfahren an, dürfte die Akzeptanz und damit die Nutzung bei den Kunden weiter rückläufig sein. Bleibt abzuwarten, wann diese die Vorteile erkennen und die Nutzung entsprechend verlagern.

Für Shopbetreiber ist eine Sensibilisierung der Kunden sicher ratsam, sei es aus Kostengründen durch Arbeitseinsparung, der Schaffung von Vertrauen – oder schlicht zur Gewinnung neuer Kunden dank einer höheren Conversion Rate.

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Shopgate – Mobile Shopping Leader

leitet das Product Management beim führenden Mobile Commerce Anbieter Shopgate. Vorher war Alexander Köhler viele Jahre Geschäftsführer der eCommerce-Agentur Conpark. Er beschäftigt sich vorrangig mit Trends und neuen Geschäftsmodellen im eCommerce, allem voran Mobile Commerce. Alexander Köhler ist zudem Mitgründer und -herausgeber der eCommerce Lounge.

  • http://www.shopmee.de Shopmee

    Zu berücksichtigen wäre noch das Zusammenspiel der Zahlungsarten. Hier gibt es auch eine Beeinflussung untereinander. Wenn z.B. Rechnung nicht mit angeboten wird sieht die Verteilung der bevorzugten Zahlungsweisen anders aus.

    Quelle:
    http://blog.3iq.de/2010/04/26/abbruchgrunde-im-online-shop/

    http://www.ibi.de/presse-erfolgsfaktor-payment-so-steuern-online-haendler-ihren-gewinn.html

  • http://www.conpark.de Alexander Köhler

    Vielen Dank für die beiden Links!

  • http://www.markuskessler.net M. Keßler

    Guter Artikel, wobei sich mir jetzt nur eine Frage aufdrängt: Sind Paypal und ClickandBuy nicht auch irgendwie eine Art Vorkasse? In den meisten Shops, wo ich einkaufe, wird zwar eine Zahlung per Paypal o.ä. angeboten, aber meistens verlässt die Ware erst das Lager, wenn man die Zahlung angewiesen hat.

  • http://www.conpark.de Alexander Köhler

    Richtig! Wie der Artikel schon sagt:

    „Denn auch die alternativen Bezahlsysteme wie Kreditkarte, Sofortüberweisung.de, ClickandBuy, PayPal oder Giropay sind nichts weiter als Vorkasse“

    Gemeint ist die „übliche“ Vorkasse, sprich Überweisen – auf Zahlungseingang warten – kontrolliereren – Versand.

    Viele Grüße,
    Alexander Köhler

  • http://www.payment-network.com Lilian Thau

    Unserer Erfahrung nach, ist eine schnelle Lieferung ein Hauptentscheidungskriterium für Shop A oder B. Wenn man stationären Handel und Online-Handel vergleicht, ist eine sofortige Verfügbarkeit der entscheidende Punkt!

    Mit sofortüberweisung.de ist eine schnelle Lieferung kein Problem: Durch die Echtzeitbestätigung nach erfolgreichem Kauf mit sofortüberweisung.de kann der Händler die Ware sofort versenden, bzw. digitale Güter sofort frei schalten.

    Das bedeutet, dass im Zweifel die Ware schon am nächsten Tag beim Kunden ist. Der Betrag ist in spätestens drei Werktagen auf dem Händlerkonto – er wird nirgends gehalten – die Transaktion erfolgt direkt vom Kunden- aufs Händlerkonto!

    Weiterer Vorteil für den Händler ist die hohe Automatisierung von sofortüberweisung.de – er kann sich um sein Kerngeschäft, das Verkaufen kümmern und muss keine Zeit auf händische Nachbearbeitung, Mahnwesen und Forderungsausfälle verschwenden!

    Bei Rückfragen stehen wir gerne zur Verfügung.

    Beste Grüße

    Lilian Thau
    Pressesprecher Payment Network AG

  • Nico W.

    Zudem muss man sicher auch beachten, dass viele Betreiber aus Sicherheitsgründen (Ausfallrisiko etc.) diverse Zahlungsmöglichkeiten kombinieren sowie eine Variierung dieser erfolgt die in Abhängigkeit von Bonitätsprüfungen, Ratings usw. stehen und je nach Zahlungswürdigkeit eben dann auch die entsprechende Zahlungsmöglichkeit angeboten wird. So sichert sich zum einen der Shopbetreiber weitestgehend ab und bietet dem User / potentiellen Käufer grundlegend trotzdem alle Zahlungsarten an (=Service, Akzeptanz, Vertrauen).

    Viele Grüße,
    Nico

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